Taktikmotive im SchachRatgeber
Mattbilder: Grundreihenmatt, ersticktes Matt und mehr
Mattbilder sind wiederkehrende Anordnungen von Figuren, mit denen ein König matt gesetzt wird, und viele tragen eigene Namen. Zu den wichtigsten gehören das Grundreihenmatt durch Turm oder Dame auf der letzten Reihe und das erstickte Matt durch einen Springer, wenn der König von eigenen Steinen umstellt ist. Wer sie kennt, erkennt Mattchancen in eigenen Partien früher.

Viele Partien enden mit einem Matt, das nach einem bekannten Muster abläuft. Der König steht hinter seinen eigenen Bauern, ein Turm dringt auf die Grundreihe ein, und es ist vorbei. Oder ein Springer setzt einen König matt, der von seinen eigenen Figuren eingesperrt ist. Solche wiederkehrenden Stellungen heißen Mattbilder.
Was ein Mattbild ist
Ziel jedes Spielers ist es nach den Regeln der FIDE, den gegnerischen König so anzugreifen, dass der Gegner keinen legalen Zug mehr hat. Wer das schafft, hat matt gesetzt und die Partie gewonnen [8]. Bestimmte Anordnungen von Figuren, die ein Matt herbeiführen, haben in der Schachliteratur eigene Namen bekommen. Die englischsprachige Wikipedia nennt sie checkmate patterns, also Mattmuster [1].
Schlotter erklärt in seinem Lehrbuch, warum sich das Lernen solcher Bilder lohnt: Die typischen Mattstellungen lassen sich auf andere Situationen mit weiteren Steinen auf dem Brett übertragen und liefern Ideen für Mattkombinationen [4]. Ein Beispiel ist das Matt auf der Grundreihe. Schlotter vergleicht es mit den Grundmatts gegen den allein stehenden König: In beiden Fällen steht der König am Rand und wird dort festgehalten, auf der Grundreihe allerdings teilweise von seinen eigenen Bauern [4]. Wie die Grundmatts selbst funktionieren, steht unter Grundmatts.
Das Grundreihenmatt
Beim Grundreihenmatt dringt eine Dame oder ein Turm auf die gegnerische Grundreihe ein und setzt den König matt, der hinter einem Wall aus eigenen Bauern eingeklemmt ist [2]. Die englischsprachige Wikipedia nennt es auch "corridor mate" und betont, dass der König wegen eigener Steine auf der zweiten Reihe, meist Bauern, nicht nach vorn ausweichen kann [3]. Anfänger werden nach dieser Quelle häufiger Opfer eines Grundreihenmatts. Auf höherem Niveau kommt das Matt selbst seltener vor, die Drohung beeinflusst die Partie aber oft [3].

Die deutschsprachige Wikipedia zeigt das Muster an einer Stellung mit Weiß am Zug: Weiß hat König g1, Dame f3, Turm f1 und Bauern auf g2 und h2, Schwarz hat König g8, Turm e8, Dame b5 und Bauern auf b2, g7 und h7 [2]. Es folgt 1.Df7+ Kh8 2.Df8+ Txf8 3.Txf8# [2]. Die Dame opfert sich, um den Turm von der Grundreihe wegzulocken.
Gegen eine Grundreihenschwäche gibt es mehrere Mittel [2]. Der Verteidiger kann einen Bauern vor dem König ziehen und ein Luftloch schaffen, im Beispiel mit h7-h6. Er kann die Grundreihe mit einer Figur überdecken, etwa mit der Dame auf b8. Beide Mittel sind passiv und kosten Zeit, deshalb ist oft ein Gegenangriff besser. Im Beispiel hätte Schwarz am Zug mit b1D eine Dame gewonnen, die zugleich den Turm f1 fesselt, oder mit Dc5+ ein Tempo gewonnen und das Feld f8 gedeckt [2]. Die englischsprachige Wikipedia warnt, Bauernzüge vor dem König ohne Not zu spielen, weil sie Zeit kosten und Felder schwächen können [3].
Bernstein gegen Capablanca 1914
Eines der bekanntesten Beispiele stammt aus einer Partie von Ossip Bernstein gegen José Raúl Capablanca in Moskau 1914 [3, 4, 11]. Capablanca hatte Schwarz. Beide Könige standen noch hinter drei ungezogenen Bauern, und keiner hatte ein Luftloch [4]. Der weiße Turm auf c3 deckte die eigene Grundreihe nicht mehr [4]. Capablanca zog 29...Db2, eine Gabel gegen den ungedeckten Turm c3 und die Dame e2 [4].
Weiß konnte die Dame nicht schlagen, denn nach 30.Dxb2 folgt 30...Td1# [3, 4]. Auch die Verteidigungsversuche scheitern. Auf 30.De1 gewinnt 30...Dxc3, weil 31.Dxc3 an 31...Td1+ 32.De1 Txe1# scheitert. Auf 30.Tc2 folgt 30...Db1+ 31.Df1 Dxc2, und auf 30.Dc2 setzt 30...Da1+ 31.Dc1 Td1+ 32.Dxd1 Dxd1# [3]. Bernstein gab auf [3]. Die englischsprachige Wikipedia weist darauf hin: Hätte Capablanca direkter mit 29...Db1+ 30.Df1 Td1 gespielt, wäre er selbst einem Grundreihenmatt erlegen, nach 31.Tc8+ Td8 32.Txd8# [3]. Mehr zur Gabel steht unter Die Gabel.
Das erstickte Matt
Beim erstickten Matt setzt ein Springer den König matt, der nicht ausweichen kann, weil er von eigenen Steinen umgeben ist [5, 6]. Der Springer springt über diese Steine hinweg [8]. Meist geschieht das in einer Ecke, weil dort nur drei Steine nötig sind, um den König einzuschließen [6]. Typisch ist ein schwarzer König auf h8, eingeschlossen von Turm g8 und Bauern auf g7 und h7, und ein weißer Springer auf f7 [6]. Damit ein ersticktes Matt in einer Partie entsteht, muss der Angreifer meist Material opfern, um die Steine des Gegners um den König zu zwingen [6].

Eine bekannte Kombination heißt Philidors Vermächtnis. Die deutschsprachige Wikipedia zeigt sie an einer Stellung mit Weiß am Zug: Weiß hat König g1, Dame d1, Springer e5 und Bauern auf b3, f4, g3, a2 und h2, Schwarz hat König g8, Turm e8, Dame a5 und Bauern auf a7, b7, c5, g7 und h7 [5]. Es folgt 1.Dd5+ Kh8 (auf 1...Kf8 folgt 2.Df7#) 2.Sf7+ Kg8 3.Sh6+ Kh8 4.Dg8+ Txg8 5.Sf7# [5]. Der dritte Zug ist ein Doppelschach durch Springer und Dame, und mit dem Damenopfer zwingt Weiß den Turm auf das letzte freie Feld neben dem König [5]. Benannt ist die Kombination nach François-André Danican Philidor. Die englischsprachige Wikipedia weist darauf hin, dass sie schon 1497 bei Luis Ramírez de Lucena beschrieben ist [6].
Dasselbe Muster kam in der Partie Jan Timman gegen Nigel Short in Tilburg 1990 vor: 27.Sf7+ Kg8 28.Sh6+ Kh8 29.Dg8+ Txg8 30.Sf7# [6, 10]. Auch Eröffnungsfallen enden mit einem erstickten Matt. In der Caro-Kann-Verteidigung setzt nach 1.e4 c6 2.d4 d5 3.Sc3 dxe4 4.Sxe4 Sd7 5.De2 Sgf6 der Zug 6.Sd6# [6]. Im Budapester Gambit folgt nach 1.d4 Sf6 2.c4 e5 3.dxe5 Sg4 4.Lf4 Sc6 5.Sf3 Lb4+ 6.Sbd2 De7 7.a3 Sgxe5 8.axb4 das Matt 8...Sd3#. Der Bauer e2 kann den Springer nicht schlagen, weil die schwarze Dame auf e7 ihn an den König fesselt [6]. Mehr dazu unter Die Fesselung.
Das Narrenmatt
Das Narrenmatt ist das schnellste mögliche Matt aus der Grundstellung: 1.f3 e6 2.g4 Dh4# [7]. Nur Schwarz kann so schon im zweiten Zug matt setzen, und es gibt acht Zugfolgen, die dorthin führen, je nachdem, in welcher Reihenfolge Weiß die beiden Bauern zieht, ob er f3 oder f4 spielt und ob Schwarz den e-Bauern nach e6 oder e5 zieht [7]. Seinen Namen trägt es, weil es nur nach einem groben Fehler von Weiß entstehen kann. Selbst unter Anfängern kommt es nach der englischsprachigen Wikipedia selten vor [7]. Beschrieben wurde es 1656 in einem Buch von Francis Beale [7]. Weiß braucht für ein ähnliches Matt einen Zug mehr, etwa nach 1.e4 g5 2.d4 f6 3.Dh5# [7].
Weitere benannte Mattbilder
Die englischsprachige Wikipedia führt zahlreiche weitere Mattbilder auf, viele nach Spielern oder Autoren benannt [1].
| Name | Beteiligte Figuren | Merkmal |
|---|---|---|
| Arabisches Matt | Turm und Springer | König in der Ecke, der Turm gibt Schach vom Nachbarfeld, der Springer deckt den Turm und das Fluchtfeld. Erwähnt schon in einer arabischen Handschrift aus dem 8. Jahrhundert [1]. |
| Anastasias Matt | Springer und Turm | König zwischen Brettrand und einem eigenen Stein eingeklemmt. Der Name stammt aus einem Roman von Wilhelm Heinse [1]. |
| Bodens Matt | zwei Läufer | Zwei Läufer auf sich kreuzenden Diagonalen setzen einen König matt, dem eigene Steine den Weg versperren, meist Turm und Bauer [1]. |
| Epaulettenmatt | eine Figur, im Musterbild die Dame | Zwei Fluchtfelder neben dem König sind von eigenen Steinen besetzt, häufig von zwei Türmen links und rechts auf der Grundreihe [1]. |
| Damianos Matt | Dame und Bauer | Die Dame setzt matt, ein Bauer schränkt den König ein und deckt im Musterbild die Dame. Veröffentlicht von Pedro Damiano im Jahr 1512 [1]. |
| Légals Matt | zwei Springer und Läufer | Läufer und Springer setzen gemeinsam matt [1]. Es ist die Endstellung der Eröffnungsfalle, die im Deutschen Seekadettenmatt heißt [9]. |
Ein weiteres bekanntes Muster ist das Matt durch Doppelschach, mit dem Réti 1910 gegen Tartakower gewann [1]. Es steht ausführlich unter Abzugsschach und Doppelschach.
Mattbilder lernen und erkennen
Schlotter rät beim Matt mit zwei Läufern, die Mattführung von beliebigen Ausgangsstellungen aus mit einem Spielfreund zu üben. So entstehe Routine im Umgang mit den Figuren und ein Blick für ihre Drohungen [4]. Für Mattbilder lässt sich das übertragen: Stell das Endbild auf, etwa Springer f7 gegen König h8 mit Turm g8 und Bauern g7 und h7, und überlege dann rückwärts, welche Züge dorthin führen können. Danach suchst du in Aufgaben gezielt nach diesen Mustern, zum Beispiel unter Schachaufgaben mit Lösung.

Für die eigene Verteidigung hilft ein kurzer Blick vor jedem Zug: Hat mein König ein Fluchtfeld? Ist meine Grundreihe gedeckt? Stehen eigene Figuren so dicht um den König, dass ein Springerschach gefährlich wird?
- Checkmate pattern. Wikipedia (englisch). Stand Stand 15.10.2026. abgerufen am 29.10.2026
- Grundreihenmatt. Wikipedia (deutsch). Stand Stand 07.06.2026. abgerufen am 29.10.2026
- Back-rank checkmate. Wikipedia (englisch). Stand Stand 27.05.2026. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Intensivkurs Schach. Ein Lern- und Lehrbuch für Anfänger und ihre Lehrer, Teil 2, Kapitel 21 und 24. Dietrich Schlotter, bereitgestellt von der Deutschen Schachjugend. Stand 2. Auflage 2016. abgerufen am 29.10.2026
- Ersticktes Matt. Wikipedia (deutsch). Stand Stand 07.06.2026. abgerufen am 29.10.2026
- Smothered mate. Wikipedia (englisch). Stand Stand 27.05.2026. abgerufen am 29.10.2026
- Fool's mate. Wikipedia (englisch). Stand Stand 09.10.2026. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation FIDE Laws of Chess, Artikel 1.4.1, 3.5 und 3.6 (gültig ab 01.01.2023). FIDE. Stand 01.01.2023. abgerufen am 29.10.2026
- Seekadettenmatt. Wikipedia (deutsch). Stand Stand 07.06.2026. abgerufen am 29.10.2026
- Jan Timman gegen Nigel Short, Tilburg 1990 (Partieprotokoll). chessgames.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Ossip Bernstein gegen José Raúl Capablanca, Moskau 1914 (Partieprotokoll). chessgames.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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