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Italienische Partie: Zugfolge, Varianten und typische Fallen

Die Italienische Partie entsteht nach 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4. Weiß richtet den Läufer auf den Punkt f7, den zu Beginn nur der schwarze König deckt. Schwarz antwortet meist mit 3...Lc5 (Giuoco Piano) oder 3...Sf6 (Zweispringerspiel im Nachzuge).

Holzschachbrett in einer Eröffnungsstellung, ein heller Läufer zielt diagonal auf die gegnerische Königsseite
Bild: KI-generiert

Die Italienische Partie gehört zu den ältesten überlieferten Schacheröffnungen [1]. Weiß entwickelt Springer und Läufer, richtet den Läufer auf den empfindlichen Punkt f7 und bereitet die Rochade vor. Die Züge folgen den Eröffnungsgrundsätzen. Gespielt wurde sie auch in Weltmeisterschaftskämpfen, etwa von Wilhelm Steinitz und Anatoli Karpow [1].

Zugfolge und Idee

Die Italienische Partie beginnt mit 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 [1]. Im Schlüssel der Encyclopaedia of Chess Openings (ECO) trägt sie die Codes C50 bis C59 [1]. Weiß greift mit dem zweiten Zug den Bauern e5 an, Schwarz deckt ihn mit 2...Sc6 und entwickelt dabei eine Figur. Dietrich Schlotter nennt diesen Zug in seinem Lehrbuch die natürliche Antwort, weil er die Wirkung des Springers erhöht, den Bauern deckt und sich zugleich gegen das Feld d4 richtet [2].

Mit 3.Lc4 lenkt Weiß in ein seit Jahrhunderten entwickeltes Eröffnungssystem ein [2]. Die Idee ist der Druck gegen f7 [2, 3]. Ein früher Damenausfall nach h5 wäre dabei nur Zeitverlust, denn bei vorsichtigem Spiel lässt sich der Punkt f7 noch nicht ausnutzen [2]. Schwarz antwortet meist mit 3...Lc5, dem Giuoco Piano, oder mit 3...Sf6, dem Zweispringerspiel im Nachzuge [1, 3]. Seltener ist 3...Le7, die Ungarische Verteidigung, eine solide Aufstellung mit wenig Risiko und Neigung zum Remis [1]. Auch 3...d6 gilt als solide, war im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert beliebt und ist heute selten [1]. Auf das Rousseau-Gambit 3...f5 spielt Weiß am besten 4.d3 oder 4.d4 und nimmt den angebotenen Bauern nicht [1].

Geschichte der Italienischen Partie

Die Eröffnung wird schon in der Göttinger Handschrift aus dem 15. Jahrhundert behandelt und 1497 im Werk von Luis Ramírez de Lucena erwähnt [3]. Im 16. Jahrhundert arbeiteten Spieler wie Pedro Damiano und Giulio Cesare Polerio an ihr [1]. Damianos Buch von 1512 nennt bereits den Zug 4.c3 [1]. Gioachino Greco spielte um 1620 gegen 3...Lc5 den Zug 4.c3 und gegen 3...Sf6 den Zug 4.Sg5 [1].

Alte geschnitzte Schachfiguren auf einem verwitterten Marmortisch in einer sonnigen Loggia mit Steinbögen
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Den Namen "Giuoco Piano", ruhiges Spiel, verwendete man ursprünglich für Eröffnungen ohne Gambit allgemein. Englische Autoren wie George Walker und William Lewis bezogen ihn im frühen 19. Jahrhundert auf 3...Lc5 [1]. Max Lange benutzte 1857 in seiner Sammlung den Namen "Italienische Partie" [3]. Wilhelm Steinitz spielte die Hauptvariante des Giuoco Piano in den Weltmeisterschaftskämpfen 1894 und 1896/97 [1]. Im 20. Jahrhundert zog die Spanische Partie in der Beliebtheit an der Italienischen vorbei [1]. Nach dem Weltmeisterschaftskampf 2000, in dem Wladimir Kramnik gegen Garri Kasparow die Berliner Verteidigung der Spanischen Partie spielte, suchten viele Weißspieler neue Ideen in der Italienischen [1].

Giuoco Piano mit 3...Lc5

Nach 3...Lc5 stehen beide Läufer auf den Diagonalen gegen f7 und f2. Weiß kann das Zentrum mit c3 und d4 erobern oder ruhiger mit d3 spielen. Lange Zeit galt der Vorstoß 4.c3 Sf6 5.d4 als die Hauptfortsetzung [1].

Das klassische Zentrum mit 4.c3 und 5.d4

Nach 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Lc5 4.c3 Sf6 5.d4 exd4 6.cxd4 Lb4+ kann Weiß mit 7.Sc3 einen Bauern opfern, das ist der Möller-Angriff, der nach Angabe der englischen Wikipedia heute als widerlegt gilt [1]. Ruhiger ist 7.Ld2 [1, 3]. Schlotter zeigt eine ausgeglichene Fortsetzung: 7.Ld2 Lxd2+ 8.Sbxd2 d5 9.exd5 Sxd5 10.Db3 Sce7 11.0-0 0-0 12.Tfe1 c6 [2]. Schwarz hat das weiße Bauernzentrum aufgelöst, und der Bauer d4 steht isoliert [2].

Wie gefährlich das weiße Zentrum werden kann, zeigt Schlotter mit dem Fehler 6...Lb6. Nach 7.d5 Se7 8.e5 Se4 9.d6 cxd6 10.exd6 Sxf2 11.Db3 Sxh1 12.Lxf7+ Kf8 13.Lg5 gab Schwarz auf, weil die Fesselung des Springers auf e7 zum Verlust der Dame oder zum Matt führt [2].

Giuoco Pianissimo mit d3

Die moderne Hauptvariante ist 4.c3 Sf6 5.d3 [1]. Weiß verzichtet auf den frühen Kampf im Zentrum und baut langsam auf. Schwarz spielt meist ...d6, gefolgt von ...a6 oder ...a5 [1]. Diese ruhigen Aufstellungen mit d3 heißen Giuoco Pianissimo und sind vor allem bei jüngeren Spielern beliebter geworden [1, 3]. Eine typische Zugfolge nennt Schlotter mit 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Lc5 4.Sc3 Sf6 5.d3 d6 6.Lg5 [2].

Das Evans-Gambit

Mit 4.b4 opfert Weiß nach 3...Lc5 einen Bauern, um den Läufer von c5 abzulenken. Die Hauptvariante lautet 4...Lxb4 5.c3 La5 6.d4 [6]. Weiß hat dann ein starkes Zentrum und bereitet Db3 und La3 vor [6]. Benannt ist das Gambit nach dem walisischen Kapitän William Davies Evans. Die deutsche Wikipedia nennt 1824 als Jahr der Entdeckung und 1826 oder 1827 für die ersten Partien, die englische Wikipedia Evans gegen McDonnell, London 1827, als erste Partie, allerdings mit anderer Zugfolge [3, 6].

In der Romantik des 19. Jahrhunderts war das Gambit sehr beliebt. Es kam mehrmals in den Wettkämpfen zwischen La Bourdonnais und McDonnell 1834 vor, später spielten es Anderssen, Morphy und Tschigorin [1, 6]. Die bekannteste Partie mit dem Evans-Gambit ist die "Immergrüne Partie" von Adolf Anderssen gegen Jean Dufresne, wahrscheinlich 1852 in Berlin gespielt [1]. Einen schweren Schlag versetzte ihm Emanuel Lasker mit einer Verteidigung, in der Schwarz nach 6.d4 d6 7.0-0 Lb6 den Mehrbauern zurückgibt [6]. Garri Kasparow belebte das Gambit in den 1990er Jahren kurz wieder, am bekanntesten ist sein Sieg in 25 Zügen gegen Viswanathan Anand 1995 in Riga [6]. Wer das Gambit ablehnen will, spielt meist 4...Lb6 [6].

Zweispringerspiel im Nachzuge

Mit 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Sf6 greift Schwarz sofort den Bauern e4 an. Diese Verteidigung trägt die ECO-Codes C55 bis C59 und heißt auch Preußische Partie [4]. Polerio hat sie um 1580 als Erster aufgezeichnet [4].

Zwei dunkle Springer stehen nebeneinander auf dem Brett, ein heller Springer nähert sich von der anderen Seite
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Weiß kann nun mit 4.Sg5 den Punkt f7 ein zweites Mal angreifen. Siegbert Tarrasch hielt das für einen "richtigen Stümperzug" [4]. Nach 4.Sg5 d5 5.exd5 gilt 5...Sa5 als beste Antwort [4, 5]. Die Hauptvariante lautet 6.Lb5+ c6 7.dxc6 bxc6 [4]. Schwarz ist dabei einen Bauern zurück, greift aber mit 5...Sa5 den Läufer an, bevor Weiß den Angriff fortsetzen kann [4].

Schlägt Schwarz stattdessen mit 5...Sxd5, opfert Weiß mit 6.Sxf7 einen Springer für den Angriff auf den schwarzen König, den sogenannten Fried-Liver-Angriff [5]. Bobby Fischer hielt auch 6.d4, den Lolli-Angriff, für sehr stark [5]. Der Angriff ist bis heute nicht als zwingend gewinnend bewiesen, in schnellen Partien aber für Schwarz sehr gefährlich [5]. Eine scharfe Alternative für Schwarz ist 4...Lc5, der Traxler-Gegenangriff [4]. Wer diese Verwicklungen meiden will, spielt mit Weiß 4.d3, was oft ins Giuoco Pianissimo übergeht [4]. Schwarz antwortet darauf meist mit 4...Lc5, 4...Le7 oder 4...h6 [1]. Eine dritte Möglichkeit ist 4.d4 exd4; danach ist 5.0-0 die klassische Opferfortsetzung, auf die Schwarz am besten 5...Sxe4 spielt, und 5.e5 die moderne Hauptvariante [1].

Fallen in der Italienischen Partie

Weil beide Seiten früh auf die Punkte f7 und f2 zielen, muss jede Seite genau auf die Drohungen des Gegners achten. Zwei Beispiele aus Schlotters Lehrbuch zeigen das für Schwarz und für Weiß.

Eine dunkle Dame steht in der Brettmitte und ist von hellen Figuren umgeben, dramatisches Licht
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Die Falle mit 3...Sd4

Nach 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Sd4 zieht Schwarz den Springer ein zweites Mal und vernachlässigt die Entwicklung [2]. Der Zug ist als Blackburne-Schilling-Gambit bekannt, ein Scheingambit, das darauf setzt, dass Weiß den ungedeckten Bauern e5 schlägt [1]. Weiß könnte mit 4.c3 Sxf3+ 5.Dxf3 einen Entwicklungsvorsprung bekommen [2]. Auch 4.Sxd4 exd4 5.c3 gilt gegen erfahrene Gegner als gut für Weiß [1]. Gierig ist dagegen 4.Sxe5, denn nach 4...Dg5 greift die Dame zugleich den Springer und den Bauern g2 an [2]. Nimmt Weiß mit 5.Sxf7 auch noch den Turm aufs Korn, folgt 5...Dxg2 6.Tf1 Dxe4+ 7.Le2 Sf3 matt [2].

Matt nach Damenopfer

Das Motiv von Légals Matt kommt nach Zugumstellungen auch in Stellungen vor, die der Italienischen ähneln [2]. Schlotter zeigt die Partie 1.e4 e5 2.Sf3 d6 3.Lc4 Sc6 4.d4 h6 5.Sc3 Lg4 6.dxe5 Sxe5 [2]. Schwarz verlässt sich auf die Fesselung des Springers f3, doch nach 7.Sxe5 führt 7...Lxd1 zum Matt: 8.Lxf7+ Ke7 9.Sd5 matt [2]. Auch nach 7...Le6 8.Lxe6 dxe5 9.Lb3 behält Weiß einen bleibenden Materialvorteil [2]. Mit 6...dxe5 hätte Schwarz die Falle vermieden [2].

Für wen sich die Italienische Partie eignet

Nach ChessBase eignet sich die Italienische Partie wegen der zügigen Figurenentwicklung gut für Anfänger, und das Giuoco Pianissimo gilt dort als sehr vorsichtiger und einfacher Aufbau [7]. Schärfere Wege sind das Evans-Gambit, in dem Weiß einen Bauern opfert [6], und 4.Sg5 gegen das Zweispringerspiel mit dem Angriff auf f7 [4].

Wie die Eröffnungsgrundsätze dahinter funktionieren, steht unter Eröffnungsgrundsätze. Die Motive aus den Fallen findest du unter Die Fesselung und Die Gabel, die Übersicht aller Eröffnungen unter Schacheröffnungen.

  1. Italian Game. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Studie Intensivkurs Schach. Ein Lern- und Lehrbuch für Anfänger und ihre Lehrer, Teil 3, Kapitel 31 und 32. Dietrich Schlotter, bereitgestellt von der Deutschen Schachjugend. Stand 2. Auflage 2016. abgerufen am 29.10.2026
  3. Italienische Partie. Wikipedia (deutsch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Two Knights Defense. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. Fried liver attack. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Evans Gambit. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Organisation The Italian Game. ChessBase. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.