Schachregeln einfach erklärtRatgeber
En passant: das Schlagen im Vorbeigehen
Zieht ein Bauer mit einem Doppelschritt neben einen gegnerischen Bauern, darf dieser ihn im unmittelbar folgenden Zug so schlagen, als wäre er nur ein Feld vorgerückt. Das heißt en passant oder Schlagen im Vorbeigehen. Wer den Zug nicht sofort nutzt, verliert das Recht dazu.

En passant ist französisch und heißt "im Vorbeigehen". Gemeint ist ein besonderer Bauernschlag. Er ist der einzige Schlagzug, bei dem die schlagende Figur auf einem anderen Feld landet als dem, auf dem der geschlagene Stein stand [3]. Die Regel steht in Artikel 3.7 der FIDE-Regeln und gilt in jeder Partie, ob im Turnier, online oder zu Hause [1].
Die Regel nach FIDE
Ein Bauer darf von seinem Ausgangsfeld einen Doppelschritt machen und zwei Felder vorrücken [1]. Steht danach ein gegnerischer Bauer auf derselben Reihe direkt neben ihm, darf dieser den vorgerückten Bauern so schlagen, als wäre er nur ein Feld gezogen [1]. Der schlagende Bauer zieht dabei schräg auf das Feld, das der andere übersprungen hat, und der geschlagene Bauer wird vom Brett genommen. Erlaubt ist das nur im Zug unmittelbar nach dem Doppelschritt [1].
Schlotter fasst die Regel in seinem Lehrbuch so zusammen: Zieht ein Bauer aus seiner Ausgangsstellung auf der 2. oder 7. Reihe mit einem Doppelschritt neben einen gegnerischen Bauern, kann dieser ihn im direkt folgenden Zug im Vorbeigehen schlagen [2]. Daraus ergeben sich drei Bedingungen, die alle erfüllt sein müssen:
- Der gegnerische Bauer hat gerade einen Doppelschritt gemacht.
- Dein Bauer steht auf derselben Reihe direkt neben ihm. Für Weiß ist das die 5. Reihe, für Schwarz die 4. Reihe.
- Du schlägst sofort im nächsten Zug.
Nur Bauern können en passant schlagen und geschlagen werden [3]. Eine Pflicht zum Schlagen gibt es nicht [2, 3].
Ein Beispiel Schritt für Schritt
Schlotter zeigt die Regel an einer einfachen Stellung. Ein weißer Bauer steht noch auf d2, ein schwarzer Bauer auf e4 [2]. Weiß zieht d2-d4, der Bauer läuft also an e4 vorbei und landet neben dem schwarzen Bauern. Jetzt darf Schwarz mit dem e-Bauern auf d3 schlagen, so als wäre der weiße Bauer nur bis d3 gezogen [2]. Danach steht der schwarze Bauer auf d3, und das Feld d4 ist leer.

Notiert wird der Zug als e4xd3 e.p. oder auf Deutsch e4xd3 i.V. für "im Vorbeigehen" [2]. Die FIDE-Regeln nennen als Beispiel für die Kurzschrift exd6 e.p. [1]. Der Zusatz e.p. ist hilfreich, weil der Zug sonst wie ein gewöhnlicher Schlagzug auf ein leeres Feld aussieht.
Ein Gegenbeispiel aus demselben Kapitel: Zieht ein schwarzer Bauer von g6 nach g5 und steht danach neben einem weißen Bauern auf h5, gibt es kein en passant [2]. Der Bauer kam nicht mit einem Doppelschritt von der 7. Reihe, er ist nur ein Feld gezogen.
Nur im nächsten Zug
Das Recht auf en passant verfällt, sobald du einen anderen Zug machst [1]. Ein Beispiel kommt in der Französischen Verteidigung vor: 1.e4 e6 2.e5 d5. Schwarz hat mit d7-d5 einen Doppelschritt gemacht, und der weiße Bauer auf e5 steht daneben. Weiß kann jetzt 3.exd6 e.p. spielen. Die Wikipedia nennt das als frühes dokumentiertes Beispiel aus der Partie Steinitz gegen Fleissig, Wien 1882 [3]. Spielt Weiß stattdessen erst 3.Sf3 und Schwarz antwortet 3...Sf6, ist der Schlag auf d6 nicht mehr erlaubt.
Auch in der Russischen Verteidigung, die auch Petrow-Verteidigung heißt, kann es früh dazu kommen: 1.e4 e5 2.Sf3 Sf6 3.d4 exd4 4.e5 Se4 5.Dxd4 d5 6.exd6 e.p. [3]. Wer die Regel nicht kennt, hält den Zug manchmal für einen Fehler des Programms. Laut Wikipedia bekommen die Betreiber von Schachseiten im Internet regelmäßig falsche Meldungen über Programmfehler oder Betrug, die sich auf en passant beziehen [3].
Warum es die Regel gibt
In den frühen Formen des Schachs durfte der Bauer überhaupt keinen Doppelschritt machen. Der Doppelschritt kam zwischen dem 13. und dem 16. Jahrhundert hinzu [3]. Damit konnte ein Bauer an einem gegnerischen Bauern vorbeiziehen, der ihn vorher hätte schlagen können. Schlotter erklärt den Sinn der Regel genau so: Ohne en passant könnte der Bauer mit dem Doppelschritt dem Geschlagenwerden dauerhaft entgehen, während das für den Bauern gegenüber nicht gälte [2].

Die Regel steht schon im Buch von Ruy López de Segura aus dem Jahr 1561 [3]. Sie gehört zu den letzten großen Ergänzungen des europäischen Schachs [3]. In Italien wurde lange ohne sie gespielt, und das freie Vorbeiziehen hieß dort "passar battaglia" [3]. Erst 1880 übernahm Italien die internationalen Regeln mit en passant, rechtzeitig vor dem Turnier von Mailand 1881 [3].
Sonderfälle
Wenn der eigene König im Weg steht
Auch beim Schlagen im Vorbeigehen gilt: Kein Zug darf den eigenen König ins Schach stellen [1]. Weil beim en passant zwei Bauern gleichzeitig von derselben Reihe verschwinden, kann das überraschend passieren. Ein Beispiel: Der weiße König steht auf a5, ein weißer Bauer auf b5, ein schwarzer Turm auf h5, und Schwarz zieht c7-c5. Schlüge Weiß jetzt mit b5xc6 e.p., wären b5 und c5 leer, und der Turm auf h5 griffe den König auf a5 an. Der Zug ist deshalb verboten, obwohl alle drei Bedingungen erfüllt sind. Die Wikipedia beschreibt dasselbe Motiv an einer Schachaufgabe von Sommerfeldt aus dem Jahr 1902 [3].
En passant gegen ein Schach
Ein Doppelschritt kann selbst Schach geben, und dann ist en passant eine der erlaubten Antworten. Steht der schwarze König auf e5 und ein schwarzer Bauer auf e4, gibt der weiße Zug d2-d4 Schach, denn ein Bauer auf d4 greift e5 an. Schwarz darf den König wegziehen, den Bauern mit dem König schlagen oder mit e4xd3 e.p. antworten. Auch der Schlag im Vorbeigehen beseitigt den Angreifer, und damit ist das Schach aufgehoben. Erlaubt ist jede Antwort, nach der der eigene König nicht mehr angegriffen ist [1].
Patt und Stellungswiederholung
Ist en passant der einzige regelgemäße Zug, muss der Spieler ihn ausführen, und die Partie ist nicht patt [3]. Schon Howard Staunton schrieb das 1860 in seinem Regelbuch, später wurden die Regeln entsprechend klargestellt [3]. Auch bei der Stellungswiederholung zählt en passant mit. Zwei Stellungen gelten nach Artikel 9.2.3 nicht als gleich, wenn in der ersten ein Schlag im Vorbeigehen möglich war und in der zweiten nicht mehr [1]. Wer Remis wegen dreimaliger Wiederholung beantragt, muss das beachten.
Mehrere Schläge in einer Partie
Nach den Angaben der Wikipedia liegt der Rekord bei drei Schlägen im Vorbeigehen in einer Partie, und das ist in drei Partien vorgekommen [3]. Das früheste bekannte Beispiel ist eine Partie von Alexandru Segal gegen Karl-Heinz Podzielny in Dortmund aus dem Jahr 1980 [3]. In keiner der drei Partien hat derselbe Spieler alle drei Schläge gemacht [3].
Was gilt und was nicht
Die folgenden Punkte fassen zusammen, wo die Grenzen der Regel liegen:
- En passant gilt nur zwischen zwei Bauern. Eine Figur kann weder im Vorbeigehen schlagen noch so geschlagen werden [3].
- Das Recht gilt nur im nächsten Zug. Wer erst einen anderen Zug macht, verliert es für diesen Bauern endgültig [1].
- Nach einem einfachen Bauernzug um ein Feld gibt es kein en passant, auch wenn der Bauer danach neben einem gegnerischen Bauern steht [2].
- Der schlagende Bauer bleibt nicht auf seiner Reihe stehen. Er zieht schräg auf das Feld, das der andere Bauer übersprungen hat [1].
- Für einen Schlag im Vorbeigehen gelten dieselben Grenzen wie für jeden Zug. Lässt er den eigenen König im Schach oder stellt ihn ins Schach, ist er verboten [1].
So übst du en passant
Stell zwei Bauern auf ein leeres Brett, einen weißen auf e5 und einen schwarzen auf d7, dazu die beiden Könige. Zieh den schwarzen Bauern mit dem Doppelschritt nach d5 und schlag mit exd6 e.p. Dann bau die Stellung neu auf und lass den schwarzen Bauern in zwei Einzelschritten über d6 nach d5 gehen, mit einem Königszug von Weiß dazwischen. Auf d6 könnte der weiße Bauer ihn ganz normal schräg schlagen, auf d5 dagegen nicht mehr, weil kein Doppelschritt vorausging. Danach probierst du dasselbe von der schwarzen Seite aus, mit einem schwarzen Bauern auf der 4. Reihe. Wie die anderen Bauernregeln funktionieren, erklärt die Seite Wie die Schachfiguren ziehen. Was passiert, wenn ein Bauer bis zur letzten Reihe kommt, steht unter Bauernumwandlung, und wie du Züge aufschreibst, unter Schachnotation.
Gegen den Computer kannst du die Regel gefahrlos ausprobieren, das Programm kennt sie. Wer sie in einer Partie am Brett mit jemandem nutzt, der sie nicht kennt, sollte sie kurz erklären. Wer nach den Schachregeln noch andere Spiele mit eigenen Sonderregeln sucht, findet eine Auswahl unter Brettspiele zu zweit.
- Organisation FIDE Laws of Chess, Artikel 3.7, 3.9, 9.2.3 und Anhang C.9 (gültig ab 01.01.2023). FIDE. Stand 01.01.2023. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Intensivkurs Schach. Ein Lern- und Lehrbuch für Anfänger und ihre Lehrer, Teil 2, Kapitel 29 "Besondere Züge". Dietrich Schlotter, bereitgestellt von der Deutschen Schachjugend. Stand 2. Auflage 2016. abgerufen am 29.10.2026
- En passant. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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