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Damengambit: 1.d4 d5 2.c4 mit allen wichtigen Antworten

Das Damengambit beginnt mit 1.d4 d5 2.c4. Weiß bietet den c-Bauern an, um den schwarzen d-Bauern aus dem Zentrum zu lenken, kann ihn aber meist zurückgewinnen. Schwarz antwortet am häufigsten mit 2...e6 (abgelehnt), 2...c6 (Slawisch) oder 2...dxc4 (angenommen).

Zwei helle Bauern stehen im Zentrum eines Holzschachbretts einem einzelnen dunklen Bauern gegenüber
Bild: KI-generiert

Das Damengambit beginnt mit 1.d4 d5 2.c4. Es gehört zu den geschlossenen Spielen und steht im ECO-Schlüssel unter D06 bis D69 [1]. Weiß bietet seinen c-Bauern im Tausch gegen den schwarzen d-Bauern an und will danach mit e2-e4 ein Bauernübergewicht im Zentrum aufbauen [1]. Die Eröffnung ist seit dem 15. Jahrhundert belegt [4]. Auf dieser Seite findest du die wichtigsten Antworten von Schwarz, drei Fallen und eine kommentierte Lehrpartie.

Warum das Damengambit kein echtes Gambit ist

Beim Damengambit ist der Bauer auf c4 zwar ungedeckt, Weiß kann ihn aber bei Bedarf zurückgewinnen [1]. Die deutsche Wikipedia nennt es deshalb trotz des Namens kein echtes Gambit und stellt es dem Königsgambit 1.e4 e5 2.f4 gegenüber, in dem Weiß tatsächlich einen Bauern opfert [1]. Nach der englischen Wikipedia kann Schwarz den Bauern auf c4 nicht ohne Nachteil behalten [2].

Dietrich Schlotter erklärt in seinem Lehrbuch, was Schwarz bei der Entscheidung abwägt. Schlägt er auf c4, gibt er seinen Zentrumsbauern d5 und dessen Einfluss auf e4 auf. Lehnt er ab, geht er davon aus, dass er den Mehrbauern auf Dauer doch nicht behalten kann und sich nur Entwicklungsschwierigkeiten einhandelt [6].

Wer den Bauern trotzdem mit ...b5 festhalten will, läuft in eine alte Falle, auf die Alessandro Salvio schon 1604 hinwies: 1.d4 d5 2.c4 dxc4 3.e3 b5 4.a4 c6 5.axb5 cxb5 6.Df3. Die Dame greift über die lange Diagonale den Turm auf a8 an, und nach 6...Sc6 7.Dxc6+ gewinnt Weiß eine Leichtfigur [2, 4].

Eine lange Geschichte

Das Damengambit steht schon in der Göttinger Handschrift, die vermutlich zwischen 1500 und 1505 entstand. Ihre Datierung ist ungewiss [9]. Der englische Wikipedia-Artikel zum Damengambit nennt das Jahr 1490 [2]. Gioachino Greco analysierte es im 17. Jahrhundert [2]. Im 18. Jahrhundert empfahl es Philipp Stamma aus Aleppo, daher heißt es manchmal auch Aleppo-Gambit [2]. Häufig gespielt wurde es nach dem Wiener Turnier von 1873, und seinen Höhepunkt erreichte es in den 1920er und 1930er Jahren: Im Weltmeisterschaftskampf zwischen Capablanca und Aljechin 1927 kam es in 32 der 34 Partien vor [2]. Nach dem Zweiten Weltkrieg spielten viele Meister gegen 1.d4 lieber die Indischen Verteidigungen, beliebt blieb das Damengambit trotzdem [2].

Ein altes, abgenutztes Holzschachspiel auf einem Tisch im Kerzenschein, dahinter Steinwände
Bild: KI-generiert
Antwort von SchwarzNameECO
2...e6Abgelehntes DamengambitD30 bis D69 [3]
2...c6Slawische VerteidigungD10 bis D19 [5]
2...dxc4Angenommenes DamengambitD20 bis D29 [4]
2...Sc6Tschigorin-VerteidigungD07 [2]
2...e5Albins GegengambitD08 bis D09 [2]

Abgelehntes Damengambit: 2...e6

Die klassische Antwort ist 2...e6. Schlotter beschreibt den Zug so: Er deckt d5 und bereitet die Entwicklung des Läufers f8 vor, hat aber den Nachteil, dass sich danach die Mobilisierung des Läufers c8 schwierig gestaltet [6]. Weiß versucht, diese Passivität auszunutzen, Schwarz will den Läufer befreien oder tauschen [3]. Oft schlägt Schwarz erst dann auf c4, wenn Weiß seinen Läufer schon nach d3 gezogen hat, denn dann gewinnt er beim Schlagen ein Tempo [3].

Die orthodoxe Hauptvariante lautet 3.Sc3 Sf6 4.Lg5 Le7 5.e3 0-0 6.Sf3 Sbd7 7.Tc1 c6 8.Ld3 [3]. José Raúl Capablanca führte das Befreiungsmanöver mit ...dxc4 und ...Sd5 ein: 8...dxc4 9.Lxc4 Sd5 10.Lxe7 Dxe7 11.0-0 Sxc3 12.Txc3 e5 [3]. Nach dem Tausch zweier Figurenpaare und dem Vorstoß ...e5 hat der Läufer auf c8 wieder eine freie Diagonale.

Zwei bekannte Abzweigungen beginnen mit 6...h6 7.Lh4. In der Tartakower-Variante folgt 7...b6, und der Läufer kommt über b7 ins Spiel. In der Lasker-Variante folgt 7...Se4, meist mit 8.Lxe7 Dxe7 [3]. Viswanathan Anand spielte die Lasker-Variante in der letzten Partie der Weltmeisterschaft 2010 gegen Wesselin Topalow [3]. Eine weitere Spielweise ist die Cambridge-Springs-Verteidigung 4...Sbd7 5.e3 c6 6.Sf3 Da5. Emanuel Lasker spielte sie zuerst 1892, ihren Namen hat sie von einem Turnier 1904 in Cambridge Springs in Pennsylvania, und Aljechin besiegte damit 1927 Capablanca [3].

Die Elefantenfalle ist alt. Die englische Wikipedia nennt als früheste bekannte Partie Mayet gegen Harrwitz aus Berlin 1848 [7]. Nach 5...exd5 scheint der Bauer d5 schwach, weil der Springer f6 an die schwarze Dame gefesselt ist. Nach 6.Sxd5 gibt Schwarz die Dame aber freiwillig her, und das Schach auf b4 holt sie mit Gewinn zurück.

Abtauschvariante und Minoritätsangriff

Mit 3.Sc3 Sf6 4.cxd5 exd5 5.Lg5 legt Weiß die Bauernstruktur früh fest [3]. Weiß hat danach die Bauernmehrheit im Zentrum, Schwarz eine am Damenflügel [3]. Daraus ergeben sich zwei Pläne für Weiß. Er kann im Zentrum vorgehen, etwa mit Sge2, f3 und e4, oder er spielt den Minoritätsangriff mit Tb1, b4 und b5 und schlägt dann auf c6 [3]. Beim Minoritätsangriff greifen zwei weiße Bauern drei schwarze an, um dort eine Schwäche zu erzeugen. Als Musterpartien nennt die englische Wikipedia Evans gegen Opsahl aus Dubrovnik 1950 und Carlsen gegen Jakowenko aus Nanjing 2009 [3]. Mehr über Bauernmehrheiten und Schwächen steht unter Bauernstruktur.

Zwei helle Bauern rücken am Damenflügel auf drei dunkle Bauern vor, flacher Blickwinkel bei Tageslicht
Bild: KI-generiert

Angenommenes Damengambit: 2...dxc4

Nimmt Schwarz den Bauern, gibt er das Zentrum vorübergehend auf und will es danach mit ...c5 und ...cxd4 angreifen. Den Bauern auf c4 versucht er meist gar nicht lange zu halten [4]. Nach 2...e6 und 2...c6 ist 2...dxc4 die dritthäufigste Antwort auf 2.c4 [4]. Der beliebteste dritte Zug ist 3.Sf3, der ...e5 verhindert. Schwarz antwortet meist mit 3...Sf6, seltener mit 3...a6, der Aljechin-Variante [4]. Die klassische Variante geht 3.Sf3 Sf6 4.e3 e6 5.Lxc4 c5 6.0-0 a6 [4]. Weiß hat seinen Bauern zurück und rochiert, Schwarz bereitet ...b5 vor, um den Läufer auf c4 zu vertreiben [4].

Mit 3.e4 besetzt Weiß sofort das Zentrum. Diese Zentrumsvariante wurde in den 1990er Jahren wieder beliebt. Die Hauptantwort ist 3...e5, und Weiß spielt am besten 4.Sf3, worauf meist 4...exd4 5.Lxc4 folgt [4]. Erste moderne Ideen im angenommenen Damengambit brachte der Weltmeisterschaftskampf zwischen Wilhelm Steinitz und Johannes Zukertort 1886 [4].

Slawische Verteidigung: 2...c6

Mit 2...c6 stützt Schwarz den Bauern d5 und lässt dem Läufer auf c8 die Diagonale frei [5]. Der Preis ist, dass Schwarz meist zuerst mit ...dxc4 das Zentrum aufgeben muss, bevor er den Läufer entwickelt, und dass ein späteres ...c5 ein Tempo kostet [5]. Als Hauptlinie gilt die Tschechische Variante 3.Sf3 Sf6 4.Sc3 dxc4 5.a4 Lf5 [5]. Mit 5.a4 verhindert Weiß, dass Schwarz den Bauern c4 mit ...b5 festhält. Ruhiger ist die Abtauschvariante 3.cxd5 cxd5, die zu einer symmetrischen und oft remisträchtigen Stellung führt [5]. In der Tschebanenko-Variante 4...a6 bereitet Schwarz dagegen ein frühes ...b5 vor, ohne seinen Läufer einzusperren [5].

Spielt Schwarz nach 3.Sf3 Sf6 4.Sc3 statt 4...dxc4 den Zug 4...e6, entsteht die Halbslawische Verteidigung, in der ...c6, ...e6 und ...Sf6 zusammenkommen [2]. Die Slawische Verteidigung wurde in den Weltmeisterschaftskämpfen zwischen Aljechin und Euwe 1935 und 1937 oft gespielt. Wladimir Kramnik wählte sie 2006 in sechs seiner acht Weltmeisterschaftspartien mit Schwarz [5]. Die gleiche Idee, den Läufer c8 nicht einzusperren, verfolgt Schwarz gegen 1.e4 mit der Caro-Kann-Verteidigung.

Seltene Antworten und die Lasker-Falle

Die Tschigorin-Verteidigung 2...Sc6 vermeidet die üblichen Bahnen des abgelehnten Damengambits und gilt als spielbar. Alexander Morosewitsch hat sie oft gewählt [2]. Albins Gegengambit 2...e5 ist ein scharfer Versuch, die Initiative zu ergreifen. Im Spitzenschach ist es selten, in Vereinspartien kann es aber gefährlich sein [2].

Im Albins Gegengambit gibt es eine berühmte Falle, die nach Emanuel Lasker benannt ist, obwohl Serafino Dubois sie zuerst beschrieben hat [8]. Nach 1.d4 d5 2.c4 e5 3.dxe5 d4 4.e3 Lb4+ 5.Ld2 dxe3 ist 6.Lxb4 ein Fehler. Es folgt 6...exf2+ 7.Ke2 fxg1=S+, und Schwarz wandelt seinen Bauern in einen Springer um, der Schach bietet [8]. Schlägt Weiß mit 8.Txg1, gewinnt 8...Lg4+ die weiße Dame. Besser ist für Weiß 6.fxe3 [8]. Wie die Unterverwandlung funktioniert, steht unter Bauernumwandlung.

Eine Lehrpartie mit dem abgelehnten Damengambit

Schlotter zeigt das abgelehnte Damengambit an einer kommentierten Partie [6]. Die Partie spielten Frank Marshall mit Weiß und José Raúl Capablanca mit Schwarz im Wettkampf von 1909, Marshall gewann in 25 Zügen [10]. Schlotter nennt als Jahr 1919 [6]. Capablanca gewann den Wettkampf mit acht Siegen, einer Niederlage und 14 Remisen [11]. Sie beginnt mit 1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sc3 Sf6 4.Lg5 Le7 5.e3. Schlagen auf c4 wäre jetzt nur ein Tempoverlust, weil der Läufer f1 sofort zurückschlägt [6]. Schwarz vereinfacht stattdessen mit 5...Se4 6.Lxe7 Dxe7 7.Ld3 Sxc3 8.bxc3 und nimmt in Kauf, dass er denselben Springer dreimal zieht. Schlotter versieht dieses Vorgehen mit einem großen Fragezeichen, weil es den Grundsätzen der Entwicklung widerspricht [6].

Eine Frau und ein Mann analysieren im ruhigen Vereinsraum eine Stellung auf dem Holzschachbrett
Bild: KI-generiert

Nach 8...Sd7 9.Sf3 0-0 10.cxd5 exd5 11.Db3 Sf6 12.a4 c5 13.Da3 b6 14.a5 Lb7 15.0-0 Dc7 16.Tfb1 baut Weiß Druck am Damenflügel auf [6]. Mit 16...Sd7 17.Lf5 Tfc8 18.Lxd7 Dxd7 19.a6 Lc6 20.dxc5 bxc5 21.Dxc5 gewinnt er einen Bauern, und nach 21...Tab8 22.Txb8 Txb8 23.Se5 Df5 24.f4 Tb6 entscheidet das Damenopfer 25.Dxb6, weil der a-Bauer nicht mehr aufzuhalten ist. Schwarz gab auf [6]. Die Grundsätze, gegen die Schwarz verstoßen hat, erklärt die Seite Eröffnungsgrundsätze.

  1. Damengambit. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Queen's Gambit. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Queen's Gambit Declined. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Queen's Gambit Accepted. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. Slav Defense. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Studie Intensivkurs Schach. Ein Lern- und Lehrbuch für Anfänger und ihre Lehrer, Teil 3, Kapitel 35. Dietrich Schlotter, bereitgestellt von der Deutschen Schachjugend. Stand 2. Auflage 2016. abgerufen am 29.10.2026
  7. Elephant Trap. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  8. Lasker Trap. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  9. Göttinger Handschrift. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  10. Frank Marshall vs José Raúl Capablanca, Wettkampf 1909, Runde 7. chessgames.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  11. José Raúl Capablanca. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.