Schachregeln einfach erklärtRatgeber

Rochade: Regeln und Bedingungen für kurze und lange Rochade

Bei der Rochade zieht der König zwei Felder in Richtung eines Turms, und dieser Turm springt auf das Feld, das der König überquert hat. Das geht nur, wenn König und Turm noch nicht gezogen haben, kein Stein dazwischen steht und der König weder im Schach steht noch über ein angegriffenes Feld zieht oder darauf landet.

Ein hölzerner König und ein Turm stehen nebeneinander in der Ecke eines Schachbretts
Bild: KI-generiert

Die Rochade ist der einzige Zug im Schach, bei dem du zwei eigene Figuren auf einmal bewegst: den König und einen Turm. Sie bringt den König aus der Mitte in eine geschützte Ecke und holt gleichzeitig einen Turm ins Spiel. Weil sie so nützlich ist, gehört sie in fast jede Partie. Gerade deshalb lohnt es sich, die Bedingungen genau zu kennen, denn ein regelwidriger Zug, nach dem die Uhr gedrückt wurde, gibt dem Gegner beim ersten Mal zwei Minuten Bedenkzeit extra, beim zweiten Mal verliert der Spieler die Partie [1].

So wird rochiert

Die FIDE beschreibt die Rochade als Zug des Königs und eines Turms derselben Farbe auf der Grundreihe, der als ein einziger Königszug zählt. Der König zieht von seinem Ausgangsfeld zwei Felder in Richtung des Turms, danach wird der Turm auf das Feld gestellt, das der König gerade überquert hat [1]. Der Turm springt dabei über den König, was er sonst nie darf [2].

Eine Hand setzt einen hölzernen König auf der Grundreihe des Schachbretts zwei Felder weit
Bild: KI-generiert

Daraus ergeben sich vier mögliche Rochaden [3]:

RochadeKönigTurmNotation
Weiß kurze1 nach g1h1 nach f10-0
Weiß lange1 nach c1a1 nach d10-0-0
Schwarz kurze8 nach g8h8 nach f80-0
Schwarz lange8 nach c8a8 nach d80-0-0

Die kurze Rochade heißt auch kleine Rochade oder Rochade am Königsflügel, die lange auch große Rochade oder Rochade am Damenflügel [2]. Bei der langen Rochade zieht der König ebenfalls nur zwei Felder weit, obwohl zwischen ihm und dem Turm drei Felder liegen [2]. Ein bekanntes Beispiel für die kurze Rochade ist die Italienische Partie mit 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Lc5 4.0-0, nach der der weiße König auf g1 und der Turm auf f1 steht.

Wann die Rochade für immer verloren ist

Die FIDE-Regeln trennen zwei Fälle. Das Recht zu rochieren geht endgültig verloren, wenn der König schon einmal gezogen hat. Mit einem bestimmten Turm darf außerdem nicht mehr rochiert werden, wenn dieser Turm bereits gezogen hat [1]. Zieht also nur der Turm h1, bleibt die lange Rochade mit dem Turm a1 erlaubt [3]. Weil der König nach der Rochade nicht mehr auf seinem Ausgangsfeld steht, kann jeder Spieler in einer Partie höchstens einmal rochieren [3].

Es zählt jede Bewegung, auch ein Ausflug mit Rückkehr. Zieht der König von e1 nach e2 und später zurück nach e1, steht er zwar wieder auf seinem Ausgangsfeld, hat aber gezogen, und beide Rochaden sind verloren [1]. Die FIDE stellt bei der Stellungswiederholung ausdrücklich klar, dass das Rochaderecht erst durch die Bewegung von König oder Turm verloren geht [1].

Wann die Rochade vorübergehend verboten ist

Auch wenn König und Turm noch auf ihren Feldern stehen, ist die Rochade in zwei Lagen vorübergehend verhindert [1]. Erstens, wenn das Feld des Königs, das Feld, das er überqueren muss, oder sein Zielfeld von einer gegnerischen Figur angegriffen wird. Zweitens, wenn irgendein Stein zwischen König und Turm steht [1]. Sobald die Lage sich ändert, darfst du wieder rochieren.

Ein dunkler Läufer zielt auf einer Diagonale in Richtung des hellen Königs auf seinem Ausgangsfeld
Bild: KI-generiert

Kein Rochieren aus dem Schach, durch das Schach oder ins Schach

Steht dein König im Schach, musst du das Schach zuerst anders abwehren. Schlotter zeigt das an einer Stellung, in der Schwarz erst den Läufer dazwischenzieht und danach lang rochiert [2]. Ebenso wenig darf der König über ein angegriffenes Feld ziehen. Ein Beispiel ist das abgelehnte Königsgambit nach 1.e4 e5 2.f4 Lc5 3.Sf3 d6 4.Lc4 Sc6: Der schwarze Läufer auf c5 sieht über d4, e3 und f2 bis g1, deshalb darf Weiß hier nicht kurz rochieren. Dass der König nach der Rochade nicht im Schach stehen darf, folgt schon aus der allgemeinen Regel, dass kein Zug den eigenen König im Schach lassen darf [1].

Was die Rochade nicht verhindert

Für den Turm gelten diese Einschränkungen nicht. Er darf angegriffen sein und über ein angegriffenes Feld ziehen [3]. Bei der langen Rochade betrifft das vor allem das Feld b1 oder b8: Der Turm überquert es, der König nicht. Schlotter nennt dafür eine Stellung, in der ein schwarzer Läufer auf f5 das Feld b1 angreift und Weiß trotzdem lang rochieren darf [2]. Ein gegnerischer Stein zwischen König und Turm verhindert die Rochade dagegen ebenso wie ein eigener. Der König darf ihn nicht im Zuge der Rochade schlagen [2].

Erst den König, dann den Turm

Am Brett kommt es auf die Reihenfolge der Handgriffe an. Wer den König und dann einen Turm berührt, muss auf dieser Seite rochieren, wenn das regelgerecht möglich ist [1]. Wer dagegen absichtlich zuerst den Turm und dann den König anfasst, darf in diesem Zug nicht auf dieser Seite rochieren und muss den Turm ziehen, sofern dieser ziehen kann [1]. Schlotter empfiehlt deshalb, immer zuerst den König zwei Felder weit zu setzen: Dann ist für den Gegner eindeutig, dass eine Rochade gemeint ist, denn ein einzelner Königszug über zwei Felder wäre regelwidrig [2].

Fasst ein Spieler König und Turm an, obwohl die Rochade auf dieser Seite nicht erlaubt ist, muss er einen anderen regelgerechten Königszug machen. Das kann auch die Rochade mit dem anderen Turm sein [1]. Hat der König keinen legalen Zug, darf der Spieler einen beliebigen Zug ausführen [1]. Der Zug gilt erst als ausgeführt, wenn die Hand den Turm auf dem Feld losgelassen hat, das der König überquert hat [1].

Wozu die Rochade gut ist

Zu Beginn der Partie kämpfen beide Seiten meist um das Zentrum. Ein König, der auf e1 oder e8 stehen bleibt, ist dort gefährdet, und die Türme in den Ecken nehmen noch nicht am Spiel teil [3]. Die Rochade löst beide Probleme mit einem Zug: Der König steht hinter seinen Bauern, und der Turm rückt Richtung Mitte, wo er sich mit dem anderen Turm verbinden kann [3]. Schlotter beschreibt das Ziel ähnlich: den König hinter die Bauern bringen und den Turm auf den zentralen Linien einsetzen [2].

Der helle König steht geschützt hinter drei Bauern in der Brettecke, daneben ein Turm
Bild: KI-generiert

Die kurze Rochade gilt in der Regel als sicherer. Nach der langen Rochade deckt der König den a-Bauern nicht, und oft kostet es noch einen Zug, den König nach b1 oder b8 zu stellen [3]. Dafür steht der Turm nach der langen Rochade sofort auf der d-Linie [3]. Rochieren beide Seiten zu verschiedenen Flügeln, entsteht oft ein scharfer Kampf, weil jeder die gegnerische Königsstellung mit Bauern angreifen kann, ohne den eigenen König zu entblößen [3]. Mehr dazu steht unter Eröffnungsgrundsätze.

Rochade als Angriffszug

Weil der Turm bei der Rochade über den König springt, kann sie selbst Schach bieten. Die deutschsprachige Wikipedia gibt dazu eine Falle wieder: 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.d4 exd4 4.Sxd4 Lc5 5.Le3 d6 6.Sxc6 bxc6 7.Lxc5 dxc5 8.Dxd8+ Kxd8 9.Sc3 Tb8 10.f3 Txb2 11.0-0-0+ [3]. Der Turm auf d1 bietet Schach, und der König auf c1 greift zugleich den schwarzen Turm auf b2 an [3].

Rochade richtig notieren

Im Partieformular schreibst du die kurze Rochade als 0-0 und die lange als 0-0-0 [1, 2]. Die Zeichen gelten für Weiß und Schwarz gleich. Das Symbol 0-0 verwendete erstmals Johann Allgaier 1811, das Zeichen 0-0-0 für die lange Rochade Aaron Alexandre 1837 [3, 4]. In Schachprogrammen begegnet dir eine Abweichung: Die PGN-Spezifikation schreibt O-O und O-O-O mit dem Großbuchstaben O und ausdrücklich nicht mit der Ziffer Null [5]. In der FEN-Zeile, die eine Stellung beschreibt, stehen die noch möglichen Rochaden als K und Q für Weiß sowie k und q für Schwarz, ein Strich bedeutet, dass keine Seite mehr rochieren kann [5]. Mehr zur Schreibweise findest du unter Schachnotation.

Woher die Rochade kommt

In den asiatischen Schachvarianten gibt es keine Rochade [3]. Ihr Vorläufer war der Königssprung, bei dem der König bei seinem ersten Zug einen weiten Satz machen durfte [3, 4]. Die englische Wikipedia schreibt, dass diese Form in Europa schon im 13. Jahrhundert gespielt wurde [4]. Nach der deutschsprachigen Wikipedia entwickelte sich um 1550 daraus die heutige Rochade [3]. Die englische Wikipedia nennt für die heutige Form die Jahre 1620 in Frankreich und 1640 in England [4].

In Italien hielt sich lange die freie Rochade, bei der König und Turm ihre Felder in Grenzen frei wählen konnten [3, 4]. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts setzte sich auch dort die heutige Regel durch [3]. Dass König und Turm auf derselben Reihe stehen müssen, regelten die FIDE-Bestimmungen nach der englischen Wikipedia schon 1930 ausdrücklich [4]. Die aktuelle Fassung spricht von der Grundreihe des Spielers [1]. In Chess960 gelten eigene Rochaderegeln, weil König und Türme dort auf anderen Feldern beginnen [4]. Mehr dazu unter Schachvarianten.

Wie sich König und Turm sonst bewegen, steht unter Wie die Schachfiguren ziehen. Ausprobieren kannst du alles direkt in einer Partie zu zweit an einem Gerät.

  1. Organisation FIDE Laws of Chess taking effect from 1 January 2023, Artikel 3.8.2, 3.9.2, 4.1, 4.4, 4.7.2, 7.5.5, 9.2.3.2, A.5.1.2, B.3 und Anhang C.13. FIDE. Stand 01.01.2023. abgerufen am 29.10.2026
  2. Studie Intensivkurs Schach. Ein Lern- und Lehrbuch für Anfänger und ihre Lehrer, Teil 2, Kapitel 29 und 30. Dietrich Schlotter, bereitgestellt von der Deutschen Schachjugend. Stand 2. Auflage 2016. abgerufen am 29.10.2026
  3. Rochade. Wikipedia (deutsch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Castling. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. Portable Game Notation Specification and Implementation Guide, Abschnitte 8.2.3 und 16.1.3.3. Steven J. Edwards (Koordinator), XML-Fassung von Andreas Saremba. Stand 1994. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.