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Caro-Kann-Verteidigung: 1.e4 c6 Schritt für Schritt
Die Caro-Kann-Verteidigung beginnt mit 1.e4 c6 und nach 2.d4 meist 2...d5. Schwarz stützt seinen d-Bauern mit dem c-Bauern und kann den Läufer auf c8 frei entwickeln, anders als in der Französischen Verteidigung. Die wichtigsten Fortsetzungen für Weiß sind 3.Sc3 oder 3.Sd2, die Vorstoßvariante 3.e5 und der Abtausch 3.exd5.

Die Caro-Kann-Verteidigung beginnt mit 1.e4 c6. Mit dem kleinen Bauernzug bereitet Schwarz 2...d5 vor und greift danach das weiße Zentrum an. Die Eröffnung gehört zu den halboffenen Spielen und steht im ECO-Schlüssel unter B10 bis B19 [1]. Benannt ist sie nach dem Engländer Horatio Caro und dem Wiener Marcus Kann [1]. Nach 1...c5, 1...e5 und 1...e6 ist 1...c6 die vierthäufigste Antwort auf 1.e4 [1].
Die Grundidee von 1...c6
Nach 1.e4 c6 2.d4 d5 steht der schwarze d-Bauer auf d5 und wird vom c-Bauern gestützt. Tauscht Weiß mit 3.exd5 cxd5, schlägt Schwarz mit einem Bauern zurück und behält einen Bauern im Zentrum [1]. Wie in der Französischen Verteidigung greift Schwarz also den Bauern e4 mit ...d5 an. Der Unterschied liegt beim weißfeldrigen Läufer: Der Bauer auf c6 versperrt ihm nicht die Diagonale, und Schwarz kann ihn nach f5 oder g4 entwickeln [1, 2]. Der Preis ist ein Tempo, denn wenn Schwarz später ...c5 spielen will, muss der c-Bauer zweimal ziehen [2].

Die englische Wikipedia beschreibt Caro-Kann als positionelle Verteidigung, die solider und weniger dynamisch ist als die Sizilianische [2]. Laut der deutschen Wikipedia wird sie seltener gespielt als Französisch, weil es für Schwarz schwieriger ist, das weiße Zentrum anzugreifen, und die Hauptvarianten ruhiger verlaufen [1]. Den Vergleich mit dem nahen Verwandten findest du unter Französische Verteidigung.
Woher der Name kommt
Die früheste veröffentlichte Partie mit 1.e4 c6 spielten Spreckley und Mongrédien 1847 in Liverpool [1, 4]. Marcus Kann gewann damit 1885 beim 4. Kongress des Deutschen Schachbundes in Hamburg gegen Jacques Mieses in 24 Zügen [2, 5]. Horatio Caro veröffentlichte seine Analyse unter dem Titel "Zur Theorie der Eröffnungen" am 30.10.1886 in der Berliner Zeitschrift "Brüderschaft" und nannte die Eröffnung "Caro's Eröffnung" [1, 4]. Marcus Kann starb 1886. Seine Rolle ist laut Edward Winter nur durch zeitgenössische Presseäußerungen belegt, etwa von Wilhelm Steinitz [4]. Curt von Bardeleben verwendete im Juli 1890 in der Deutschen Schachzeitung den Doppelnamen "Caro-Kann". Durchgesetzt hat er sich aber erst im 20. Jahrhundert [1, 4].
Bekannt machte die Eröffnung Aaron Nimzowitsch, und Michail Botwinnik setzte sie 1958 in einem Weltmeisterschaftskampf ein [1]. Zu ihren Anhängern zählt die deutsche Wikipedia Anatoli Karpow, Jewgeni Barejew, Viswanathan Anand und Vincent Keymer [1]. Die englische Wikipedia nennt außerdem José Raúl Capablanca, Viktor Kortschnoi, Ulf Andersson, Alireza Firouzja und Ding Liren [2].
Die Varianten im Überblick
Nach 1.e4 c6 2.d4 d5 entscheidet der dritte Zug von Weiß, welche Art Stellung entsteht.
| Zugfolge | Name | Kennzeichen |
|---|---|---|
| 3.Sc3 dxe4 4.Sxe4 Lf5 | Klassische Variante | Läufer kommt vor der Bauernkette ins Spiel [2] |
| 3.Sc3 dxe4 4.Sxe4 Sd7 | Steinitz- oder Karpow-Variante | Springertausch auf f6 erleichtert die Entwicklung [2] |
| 3.Sc3 dxe4 4.Sxe4 Sf6 | Bronstein-Larsen und Tartakower | Schwarz nimmt eine geschwächte Bauernstruktur in Kauf [1] |
| 3.e5 | Vorstoßvariante | Weiß nimmt Raum, Schwarz spielt meist 3...Lf5 [1] |
| 3.exd5 cxd5 4.Ld3 | Abtauschvariante | ähnelt dem Damengambit mit vertauschten Farben [1] |
| 3.exd5 cxd5 4.c4 | Panow-Angriff | Weiß greift d5 sofort ein zweites Mal an [1] |
Klassische Variante: 4...Lf5
Die häufigste Hauptlinie beginnt mit 3.Sc3 oder 3.Sd2. Schwarz schlägt 3...dxe4, und nach 4.Sxe4 steht der weiße Springer im Zentrum [1]. In der klassischen Variante, die auch nach Capablanca benannt ist, greift Schwarz den Springer mit 4...Lf5 an [2]. Eine typische Fortsetzung ist 5.Sg3 Lg6 6.h4 h6 7.Sf3 Sd7 8.h5 Lh7 9.Ld3 Lxd3 10.Dxd3 [2].
Weiß jagt den Läufer mit dem h-Bauern und gewinnt dabei Raum am Königsflügel. Schwarz zieht 6...h6, damit sein Läufer nach 8.h5 auf h7 ausweichen kann, und tauscht ihn im neunten Zug gegen den weißen Läufer auf d3 [1, 2]. Nach der deutschen Wikipedia hat Weiß danach Raum am Königsflügel, Schwarz übt Druck auf der d-Linie aus [1]. Die englische Wikipedia hebt hervor, dass Schwarz in dieser Variante kaum Zugeständnisse in der Bauernstruktur macht und ...c5 rechtzeitig spielen kann [2].
Die Variante mit 4...Sd7 und eine Falle
Statt den Läufer zu ziehen, kann Schwarz 4...Sd7 spielen. Diese Variante heißt in der englischen Wikipedia nach Steinitz, Karpow oder Smyslow, in der deutschen Flohr-Petrosjan-Smyslow-System. Sie will die Entwicklung durch einen Springertausch erleichtern: Schwarz zieht danach ...Sgf6 und bietet auf f6 den Tausch an [1, 2]. Anatoli Karpow spielte sie in mehreren Weltmeisterschaftskämpfen gegen Garri Kasparow [1].

Hier lauert eine bekannte Falle. Nach 4...Sd7 5.De2 darf Schwarz nicht 5...Sgf6 spielen, denn 6.Sd6 ist dann ein ersticktes Matt [2]. Der schwarze König auf e8 ist von seinen eigenen Steinen eingeschlossen, der Bauer e7 ist durch die Dame auf e2 gefesselt und kann den Springer nicht schlagen. Mit 5...Sdf6 steht Schwarz dagegen solide [2].
Berühmt wurde die Variante durch die sechste Partie des Rückkampfs zwischen dem Computer Deep Blue und Garri Kasparow am 11.05.1997 [3, 6]. Sie verlief so: 1.e4 c6 2.d4 d5 3.Sc3 dxe4 4.Sxe4 Sd7 5.Sg5 Sgf6 6.Ld3 e6 7.S1f3 h6 8.Sxe6 De7 9.0-0 fxe6 10.Lg6+ Kd8 11.Lf4 b5 12.a4 Lb7 13.Te1 Sd5 14.Lg3 Kc8 15.axb5 cxb5 16.Dd3 Lc6 17.Lf5 exf5 18.Txe7 Lxe7 19.c4, und Kasparow gab auf [3]. Das Springeropfer auf e6 war laut der englischen Wikipedia eine bekannte Widerlegung. Kasparow hatte angenommen, ein Computer würde es ohne konkreten Gewinn nicht spielen [3]. Deep Blue gewann den Wettkampf mit 3,5 zu 2,5 [3].
Abspiele mit 4...Sf6
Mit 4...Sf6 lässt Schwarz zu, dass Weiß mit 5.Sxf6+ tauscht und seine Bauernstruktur beschädigt. In der Bronstein-Larsen-Variante schlägt Schwarz mit 5...gxf6 zurück. Er bekommt Doppelbauern, dafür aber aktives Spiel auf der halboffenen g-Linie [1]. Die deutsche Wikipedia nennt als Nachteile den unflexiblen Doppelbauern und den isolierten h-Bauern, der im Endspiel zur Schwäche neigt. David Bronstein und Bent Larsen haben die Variante trotzdem gespielt [1, 2].
Solider ist 5...exf6, die Variante nach Tartakower und Nimzowitsch, die auch Kortschnoi-Variante heißt [1, 2]. Schwarz entwickelt sich schnell und rochiert kurz, Weiß behält aber die Bauernmehrheit am Damenflügel und die Aussicht auf einen freien d-Bauern [1, 2]. Wie solche Mehrheiten im Endspiel wirken, erklärt die Seite Bauernstruktur.
Vorstoßvariante: 3.e5
Mit 3.e5 schiebt Weiß den Bauern vor und nimmt Raum. Schwarz spielt meist 3...Lf5 und bringt seinen Läufer vor die eigene Bauernkette, bevor er mit ...e6 und ...c5 den Hebel vorbereitet [1]. Lange galt 3...Lf5 als schwächer, vor allem wegen eines strategischen Siegs von Capablanca gegen Nimzowitsch in New York 1927. Im 21. Jahrhundert ist die Linie dagegen zur beliebtesten geworden [2].

Weiß hat gegen 3...Lf5 viele Möglichkeiten, etwa Ld3, h4, g4, Se2 oder c4, und der Läufer auf f5 wird oft zum Angriffsziel [1]. Eine ruhige Spielweise ist die von Nigel Short mit 4.Sf3 e6 5.Le2 c5 6.Le3 [2]. Angriffslustiger sind der Van-der-Wiel-Angriff 4.Sc3 e6 5.g4 und das von Michail Tal gespielte 4.h4, mit denen Weiß den Läufer auf f5 jagt [2]. Schwarz kann statt 3...Lf5 auch sofort 3...c5 spielen. Dieser Zug wurde beliebter, nachdem Botwinnik ihn 1961 gegen Michail Tal mehrmals einsetzte [1]. Nach der englischen Wikipedia erreichte Botwinnik damit zwei Remis und verlor eine Partie [2].
Abtauschvariante und Panow-Angriff
Nach 3.exd5 cxd5 hat Weiß zwei Wege. Mit 4.Ld3 entsteht die Abtauschvariante. Der Läufer verhindert ...Lf5 und entwickelt sich zugleich [2]. Die Hauptfortsetzung 4...Sc6 5.c3 Sf6 6.Lf4 Lg4 7.Db3 hält die englische Wikipedia für leicht besser für Weiß, auch Bobby Fischer hat sie versucht [2]. Die Stellung ähnelt der Abtauschvariante des Damengambits mit vertauschten Farben [1]. Wie dort gespielt wird, steht unter Damengambit.
Schärfer ist der Panow-Angriff mit 4.c4 Sf6 5.Sc3. Weiß greift den Bauern d5 sofort ein zweites Mal an. Nach 5...e6 entstehen meist Stellungen der Verbesserten Tarrasch-Verteidigung, 5...Sc6 führt zu einem eigenen, sehr scharfen Komplex, und mit 5...g6 lässt Schwarz den Bauern d5 vorübergehend fallen [1]. In der Variante mit 5...Sc6 besiegte Botwinnik 1935 in Moskau Rudolf Spielmann in 12 Zügen [1].
Seltene Fortsetzungen
Nicht jeder Weißspieler geht mit 2.d4 in die Hauptvarianten. Das Zweispringersystem 2.Sf3 d5 3.Sc3 spielte Bobby Fischer gern [1]. Mit 2.c4 nimmt Weiß den Panow-Angriff vorweg, nach 2...d5 3.exd5 cxd5 landet die Partie oft dort [1]. Die Fantasy-Variante 3.f3 deckt den Bauern e4 mit einem Bauern und gilt als zweischneidig [1]. Wer mit Weiß einen Bauern opfern möchte, wählt das Rasa-Studier-Gambit 3.Sc3 dxe4 4.f3, das dem Blackmar-Diemer-Gambit ähnelt [1]. Mit 2.d3 und der Idee Sd2, g3 und Lg2 baut Weiß dagegen langsam einen Königsindischen Angriff auf [1]. Nach 3.Sc3 kann auch Schwarz vom Hauptweg abweichen, etwa mit 3...g6, der Gurgenidse-Variante, in der Schwarz seinen Läufer auf g7 entwickelt [2], oder mit dem abwartenden 3...a6 [1].
Stell die Varianten auf einem Brett auf oder spiele sie gegen den Computer, und schau dir die Fallen aus dieser Seite mit beiden Farben an.
- Caro-Kann-Verteidigung. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Caro-Kann Defence. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Deep Blue versus Garry Kasparov. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Studie The Caro-Kann Defence (Chess Notes). Edward Winter, chesshistory.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Jacques Mieses vs Marcus Kann, DSB-Kongress Hamburg 1885. chessgames.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Deep Blue vs Garry Kasparov, IBM Man-Machine, New York 1997, Runde 6. chessgames.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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