Schachregeln einfach erklärtRatgeber
Schachuhr und Bedenkzeit: Blitz, Schnellschach und klassische Partien
Nach den FIDE-Regeln ist eine Partie Blitzschach, wenn jeder Spieler höchstens 10 Minuten hat, und Schnellschach bei mehr als 10 und weniger als 60 Minuten. Ab 60 Minuten spricht man von Standardschach. Bei einer Zeitgutschrift je Zug rechnet man die Grundzeit plus das 60-Fache der Gutschrift.
In einer Turnierpartie hat jeder Spieler ein festes Zeitguthaben, das auf der Schachuhr abläuft, während er am Zug ist. Wie viel Zeit es gibt, entscheidet über die Spielform: Im Blitz hat jeder Spieler höchstens zehn Minuten, in einer klassischen Partie mindestens eine Stunde [1]. Die Regeln für Uhr und Bedenkzeit stehen in Artikel 6 und in den Anhängen A und B der FIDE-Regeln [1].
Blitz, Schnellschach und Standard nach FIDE
Die FIDE unterscheidet drei Spielformen nach der Bedenkzeit je Spieler. Eine Blitzpartie ist eine Partie, in der jeder Spieler für alle Züge höchstens 10 Minuten hat [1]. Beim Schnellschach sind es mehr als 10 und weniger als 60 Minuten [1]. Mindestens 60 Minuten je Spieler gelten als Standardschach, oft auch klassisches Schach genannt [1].
Viele Turniere geben nach jedem Zug eine feste Zeitgutschrift, das Inkrement. Für die Einteilung rechnet die FIDE dann die Grundzeit plus das 60-Fache der Gutschrift [1]. Das ist genau die Zeit, die in einer Partie mit 60 Zügen durch die Gutschrift hinzukommt.
| Bedenkzeit | Rechnung | Spielform nach FIDE |
|---|---|---|
| 3 Minuten plus 2 Sekunden je Zug | 3 + 60 × 2 Sekunden = 5 Minuten | Blitz |
| 5 Minuten ohne Gutschrift | 5 Minuten | Blitz |
| 10 Minuten plus 5 Sekunden je Zug | 10 + 60 × 5 Sekunden = 15 Minuten | Schnellschach |
| 15 Minuten plus 10 Sekunden je Zug | 15 + 60 × 10 Sekunden = 25 Minuten | Schnellschach |
| 90 Minuten plus 30 Sekunden je Zug | 90 + 60 × 30 Sekunden = 120 Minuten | Standard |
Eine Partie mit 10 Minuten und 5 Sekunden je Zug ist nach dieser Rechnung also schon Schnellschach, obwohl die Grundzeit genau der Blitzgrenze entspricht.
So funktioniert die Schachuhr
Eine Schachuhr hat zwei Zeitanzeigen, die so verbunden sind, dass immer nur eine von beiden läuft [1]. Wer gezogen hat, drückt seine Uhr. Damit hält er seine eigene Zeit an und startet die des Gegners [1]. Erst der Druck auf die Uhr vollendet den Zug, und gedrückt wird mit derselben Hand, mit der man gezogen hat [1]. Die Hand darf nicht über der Uhr schweben, und man darf die Uhr weder kräftig schlagen noch hochheben oder umwerfen [1]. Wo die Uhr steht, bestimmt im Turnier der Schiedsrichter [1].
Alte mechanische Uhren haben für jeden Spieler ein kleines Fallblättchen, die Flagge. Sie fällt, wenn die Zeit eines Spielers abgelaufen ist [2]. Eine Zeitgutschrift je Zug lässt sich mit mechanischen Uhren kaum umsetzen, dafür braucht man eine digitale Uhr [2].
Inkrement und Verzögerung
Für die Zeitgutschrift gibt es zwei Verfahren. Beim kumulativen Modus, nach seinem Erfinder auch Fischer-Modus genannt, kommt vor jedem Zug eine feste Zeit zum Guthaben dazu, häufig 30 Sekunden [1]. Was ein Spieler davon nicht verbraucht, bleibt ihm erhalten. Beim Verzögerungsmodus, dem Bronstein-Modus, hat jeder Spieler eine Hauptbedenkzeit und zusätzlich je Zug eine feste Zusatzzeit, und die Hauptzeit läuft erst ab, wenn die Zusatzzeit verbraucht ist [1]. Wer schnell zieht, sammelt dabei keine Zeit an [2]. Die FIDE nennt als Spanne für die Gutschrift 2 bis 60 Sekunden je Zug [1].
Der Fischer-Modus geht auf den früheren Weltmeister Bobby Fischer zurück. Er meldete 1988 in den USA ein Patent auf eine solche Uhr an, das 1989 erteilt wurde [2]. Zum ersten Mal kam das Inkrement beim Wettkampf Fischer gegen Spasski 1992 zum Einsatz, später auch bei der FIDE-Weltmeisterschaft 1998 [2]. Der Verzögerungsmodus trägt den Namen von David Bronstein [2].
Zeitkontrollen mit mehreren Abschnitten
Die Bedenkzeit kann in mehrere Abschnitte aufgeteilt sein. Die Ausschreibung legt vorher fest, wie viele Züge in welcher Zeit zu schaffen sind, einschließlich der Gutschrift je Zug [1]. Zeit, die ein Spieler im ersten Abschnitt nicht verbraucht hat, nimmt er in den nächsten mit [1]. Wer den 40. Zug mit 20 Minuten Restzeit ausführt, beginnt den zweiten Abschnitt also mit diesen 20 Minuten plus der neuen Zeit.
Ein paar Regeln betreffen die Uhr während der Partie. Nach dem eigenen Zug darf ein Spieler seine Uhr auch dann noch drücken, wenn der Gegner schon geantwortet hat; die Zeit bis dahin zählt aber als seine eigene [1]. Figuren zurechtrücken darf nur, wessen Uhr gerade läuft [1]. Angehalten werden darf die Uhr nur, um den Schiedsrichter zu holen, etwa wenn nach einer Umwandlung die gewünschte Figur fehlt [1]. Stellt sich heraus, dass die Uhr falsch eingestellt war, wird sie sofort angehalten, und der Schiedsrichter stellt die Zeiten nach bestem Ermessen richtig ein [1]. Ein Mobiltelefon oder ein anderes nicht zugelassenes elektronisches Gerät am Körper kostet nach den FIDE-Regeln die Partie, sofern die Turnierordnung keine mildere Strafe vorsieht [1].
Wenn die Zeit abläuft
Wer die vorgeschriebene Zahl von Zügen nicht in seiner Zeit schafft, verliert die Partie [1]. Es gibt eine wichtige Ausnahme: Kann der Gegner den König mit keiner denkbaren Folge regelgemäßer Züge mehr mattsetzen, ist die Partie remis [1]. Wer nur noch einen König hat, kann also auf Zeit nicht gewinnen. Die Flagge gilt als gefallen, wenn der Schiedsrichter es bemerkt oder ein Spieler es zu Recht reklamiert [1]. Fallen beide Flaggen und lässt sich nicht feststellen, welche zuerst gefallen ist, geht die Partie nach den Zusatzregeln für Partien ohne Inkrement weiter; im letzten Zeitabschnitt ist sie dann remis [1].
In Turnieren ohne Inkrement kann der Veranstalter vorab eine Sonderregel für die letzte Phase ankündigen. Hat ein Spieler dann weniger als zwei Minuten übrig, darf er den Schiedsrichter rufen und Remis beantragen, wenn der Gegner mit normalen Mitteln nicht gewinnen kann oder sich nicht um den Gewinn bemüht [1]. Lehnt der Schiedsrichter ab, bekommt der Gegner zwei Minuten dazu [1]. Im Blitz gilt diese Regel nicht [1].
Auch der Anfang einer Partie ist geregelt. Die Turnierausschreibung muss eine Karenzzeit festlegen, also wie spät ein Spieler am Brett erscheinen darf. Steht dort nichts, ist sie null, und wer nach Spielbeginn kommt, verliert, sofern der Schiedsrichter nichts anderes entscheidet [1].
Was im Blitz und Schnellschach anders ist
Bei kurzer Bedenkzeit gelten einige Erleichterungen. Im Schnellschach müssen die Spieler ihre Züge nicht aufschreiben [1]. Die Zeitstrafen, die in klassischen Partien zwei Minuten betragen, etwa nach einem regelwidrigen Zug, sind im Schnellschach eine Minute [1]. Überwacht ein Schiedsrichter mehr als drei Partien, kann ein regelwidriger Zug im Schnellschach nur beanstandet werden, solange der Gegner noch nicht weitergezogen hat. Danach bleibt er stehen [1]. Eine falsch aufgestellte Grundstellung kann nach je zehn Zügen beider Seiten nicht mehr reklamiert werden [1]. Im Blitz gelten diese Erleichterungen ebenfalls, außer wenn ein Schiedsrichter nur eine einzige Partie betreut und die Züge mitschreiben lässt [1]. Auch in Standardpartien gibt es eine Ausnahme beim Aufschreiben: Hat ein Spieler weniger als fünf Minuten bis zur nächsten Zeitkontrolle und keine Gutschrift von mindestens 30 Sekunden je Zug, muss er für den Rest dieses Abschnitts nicht mehr mitschreiben [1].
Wie man Züge notiert, steht unter Schachnotation. Was ein regelwidriger Zug ist und wie er bestraft wird, erklärt die Seite Wie die Schachfiguren ziehen, und alle Remisregeln findest du unter Schachmatt, Patt und Remis.
Bedenkzeiten bei großen Turnieren
Bei der Weltmeisterschaft 2024 in Singapur zwischen Ding Liren und Gukesh Dommaraju hatte jeder Spieler zwei Stunden für die ersten 40 Züge und danach 30 Minuten für den Rest der Partie, mit einer Gutschrift von 30 Sekunden je Zug ab dem 41. Zug [3]. Bei der Schnellschach-Weltmeisterschaft im Dezember 2025 in Doha galten 15 Minuten plus 10 Sekunden je Zug [4]. Gespielt wurden dort 13 Runden bei den Offenen und 11 bei den Frauen, im Blitz anschließend 19 und 15 Runden in der ersten Phase [4].
Geschichte der Schachuhr
Die Schachuhr erfand Thomas Bright Wilson vom Manchester Chess Club. Zum ersten Mal kam sie beim Turnier in London 1883 zum Einsatz [2]. Die erste digitale Schachuhr baute 1973 der Student Bruce Cheney als Projekt an der Cornell University [2]. Das erste Patent auf eine digitale Uhr für den Handel folgte 1975 [2]. Ende der 1980er-Jahre folgte das Inkrement von Bobby Fischer [2].
Gegen den Computer oder zu zweit an einem Gerät kannst du Partien in Ruhe üben. Wer nach einer schnellen Schachpartie noch Lust auf ein anderes Spiel zu zweit hat, findet Ideen unter Brettspiele zu zweit.
- Organisation FIDE Laws of Chess, Artikel 6, 7.5.5, 8.4, 11.3.2, Anhang A.1 bis A.5, B.1 bis B.3, Richtlinien III und Glossar (gültig ab 01.01.2023). FIDE. Stand 01.01.2023. abgerufen am 29.10.2026
- Chess clock. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation FIDE World Championship Match 2024 Regulations announced. FIDE. Stand 02.09.2024. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation FIDE World Rapid & Blitz Championships 2025: 100 days to go. FIDE. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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