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Geschichte des Schachs: von Indien bis zur Weltmeisterschaft

Als frühester bekannter Vorläufer des Schachs gilt das indische Chaturanga, das sich spätestens im 6. Jahrhundert verbreitete. Über Persien und die arabische Welt kam das Spiel bis etwa zum Jahr 1000 nach Europa. Ende des 15. Jahrhunderts erhielten Dame und Läufer in Spanien ihre heutige Gangart, seitdem spricht man vom modernen Schach.

Ein altes geschnitztes Schachspiel auf einem abgenutzten Holztisch in einem dunklen Steinraum im Kerzenlicht
Bild: KI-generiert

Die FIDE nennt Schach eines der ältesten und beliebtesten Denkspiele der Geschichte [6]. Seine Geschichte lässt sich nach der englischen Wikipedia fast 1.500 Jahre zurückverfolgen [2]. Vieles aus der Frühzeit ist unsicher, denn die Quellen sind spärlich und oft mit Legenden vermischt [1]. Die heutigen Zugregeln für Dame und Läufer sind gut 500 Jahre alt [1].

Ursprung in Indien

Die klassische Schachforschung geht davon aus, dass das Spiel in Indien entstand [1]. Als frühester bekannter Vorläufer gilt das Chaturanga, das sich spätestens im 6. Jahrhundert in Indien verbreitet hatte [2]. Es war nach der englischen Wikipedia das erste bekannte Spiel mit zwei Merkmalen, die alle späteren Schachformen teilen: Figuren mit unterschiedlicher Gangart und ein Sieg, der vom Schicksal einer einzigen Figur abhängt, dem König [2].

Der Name bedeutet "vier Teile" und bezeichnete das indische Heer aus Fußsoldaten, Reiterei, Elefanten und Streitwagen [1, 2]. Aus diesen vier Truppenteilen wurden später Bauer, Springer, Läufer und Turm [2]. Die älteste schriftliche Erwähnung des Chaturanga in Sanskrit findet sich in der Harshacharita des Hofdichters Bana aus der Zeit um 625 bis 640 [1]. Die ältesten Figuren, die sich eindeutig als Schachfiguren bestimmen lassen, stammen dagegen aus Zentralasien, aus der Gegend um Samarkand [1]. Die These, das Schach stamme aus China, wird nach der deutschsprachigen Wikipedia als im Kern substanzlos abgelehnt [1]. Mehr über die Zeit, in der das Chaturanga entstand, findest du auf der Seite Das antike Indien.

Persien und die arabische Welt

Aus Indien kam das Spiel nach Persien. Ein mittelpersischer Text erzählt, eine indische Gesandtschaft habe es zur Zeit von König Chosrau I. (531 bis 579) als Geschenk und Herausforderung an den Hof gebracht [1]. Aus Chaturanga wurde dort Chatrang [1]. Die Spieler riefen beim Angriff auf den König "Schah!" und, wenn er nicht mehr entkommen konnte, "Schah mat" [2]. Diese Rufe leben im deutschen Schach und Schachmatt fort. Der Name Schach geht auf das persische Wort Schah für König zurück [1].

Schlichte, abstrakt geformte Spielsteine aus Stein auf einem gewebten Teppich in einem Innenhof mit Bögen
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Zwischen 632 und 651 eroberten die Araber das Sassanidenreich und lernten dabei das Spiel kennen [1]. Weil das Arabische die Laute "ch" und "g" nicht kennt, wurde aus Chatrang Schatrandsch [1]. Bei den Arabern erlebte das Spiel seine erste große Blüte. Al-Adli verfasste im 9. Jahrhundert eine erste Schachabhandlung, nach ihm wurden unter anderem ar-Razi und as-Suli bekannt [1]. Es entstanden Sammlungen von Eröffnungs- und Endspielstellungen [1]. Das Wort Ruch, persisch für den Streitwagen und damit den heutigen Turm, lebt in der Rochade fort. Seine Herkunft gilt als unklar [1].

Der Weg nach Europa

Nach Europa gelangte das Spiel auf mehreren Wegen: über das Byzantinische Reich, über die Mauren, die es nach der deutschsprachigen Wikipedia im 9. Jahrhundert nach Spanien brachten (die englische nennt das 10. Jahrhundert), und über Italien [1, 2]. Um das Jahr 1000 war es nach der englischen Wikipedia in ganz Europa verbreitet [2]. Der älteste europäische Text mit Schachregeln ist das lateinische Gedicht Versus de Scachis, das vermutlich zwischen 900 und 950 in Oberitalien entstand [1]. Im deutschen Sprachraum wird Schach erstmals um 1050 im Versroman Ruodlieb erwähnt, den ein Mönch im Kloster Tegernsee schrieb [1]. Wie es zu dieser Zeit in Konstantinopel aussah, beschreibt die Seite Das Byzantinische Reich.

Im Hochmittelalter gehörte Schach zu den sieben Tugenden der Ritter [1]. Zugleich missbilligte die Kirche das Spiel, auch weil oft um Geld gespielt wurde [1, 2]. Im 13. Jahrhundert entstand im Auftrag von Alfons X. von Kastilien das Libro de los Juegos über Schach, Backgammon und Würfelspiele [1]. Berühmte Fundstücke aus dieser Zeit sind die Lewis-Schachfiguren aus Elfenbein aus dem 12. Jahrhundert [1]. Anfang des 14. Jahrhunderts schrieb Jacobus de Cessolis eine moralische Schrift, die das Schachspiel als Bild der Gesellschaft deutete. Sie war im Mittelalter weit verbreitet [1]. In ihrem Gefolge entstanden die deutschen Schachzabelbücher, in denen es weniger um Regeln ging als um Belehrung über Leben und Stände [1].

Die Reform am Ende des 15. Jahrhunderts

Das mittelalterliche Schach war langsam. Die Dame, damals ein Ratgeber oder Feldherr des Königs, zog nur ein Feld schräg, und der Läufer sprang zwei Felder weit diagonal [1]. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts änderte sich das: Der Bauer durfte beim ersten Zug zwei Felder vorrücken, der Läufer zog nun beliebig weit diagonal, und die Dame bekam ihre heutige Gangart in alle acht Richtungen [1]. Damit wurde sie von einer schwachen zur stärksten Figur [1].

Ein Holztisch im Kerzenschein in einem spätmittelalterlichen Raum mit einem alten Schachbrett und Figuren
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Diese Reform fand nach der deutschsprachigen Wikipedia vermutlich in Valencia zwischen 1470 und 1490 statt [1]. Ältestes Zeugnis ist das katalanische Gedicht Scachs d'amor, das die englische Wikipedia auf 1475 datiert [2]. Das neue Spiel war schneller, und Partien ließen sich in weniger Zügen gewinnen [2]. 1497 erschien in Salamanca das Lehrbuch von Luis Ramírez de Lucena, nach der englischen Wikipedia das älteste erhaltene gedruckte Schachbuch [2]. Die deutschsprachige Wikipedia nennt als erstes gedrucktes Schachbuch das Werk von Francesc Vicent aus dem Jahr 1495, das lange als verschollen galt [1]. Das erste Schachlehrbuch in deutscher Sprache folgte 1616 mit "Das Schach- oder König-Spiel" von Gustavus Selenus [1].

Meister, Cafés und die ersten Turniere

Im 16. Jahrhundert galt der Spanier Ruy López de Segura als bester Spieler seiner Zeit [1]. Nach ihm ist die Spanische Partie benannt, die du unter Spanische Partie findest. Das erste bekannte Turnier fand 1575 am Hof von König Philipp II. statt. Die deutschsprachige Wikipedia verortet es in Madrid, die englische in El Escorial [1, 2]. Gewonnen hat es Giovanni Leonardo da Cutro, auch Leonardo di Bona genannt [1, 2].

Im 18. Jahrhundert verlagerte sich das Zentrum nach Frankreich. Im Café de la Régence in Paris traf sich die Schachszene, ihr bekanntester Spieler war François-André Danican Philidor [1, 2]. Im 19. Jahrhundert wurde Schach zum Spiel des Bürgertums, die Regeln änderten sich kaum noch [1]. 1836 erschien mit Le Palamède die erste Schachzeitschrift, 1846 die Deutsche Schachzeitung [1]. Die heute übliche Figurenform, die Staunton-Figuren, entwarf Nathaniel Cook 1849 [1].

Turniere, Uhren und die erste Weltmeisterschaft

1851 gewann Adolf Anderssen das internationale Turnier in London [1]. Bei diesem Turnier zeigte sich, wie lange manche Spieler nachdachten: Ein Spieler brauchte für einen einzigen Zug zwei Stunden und 20 Minuten [2]. 1861 wurden bei einem Wettkampf in Bristol erstmals Zeitlimits mit Sanduhren eingesetzt, 1867 kamen bei Turnieren die ersten mechanischen Schachuhren zum Einsatz [1, 2]. Wie die Bedenkzeit heute geregelt ist, steht unter Schachuhr und Bedenkzeit.

Ein Café im Stil des 19. Jahrhunderts mit mehreren Schachtischen und Herren in Anzügen der Zeit
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Der Deutsche Schachbund wurde am 18. Juli 1877 in Leipzig gegründet [5]. 1886 spielten Wilhelm Steinitz und Johannes Hermann Zukertort den ersten offiziellen Wettkampf um die Weltmeisterschaft, Steinitz gewann [1]. Er begründete auch eine stärker positionelle Spielweise, die heute als klassische Schule gilt [1]. Davor war ein Stil mit Gambits und waghalsigen Opfern beliebt, den man rückblickend romantisch nennt. Typische Vertreter waren Anderssen und der Amerikaner Paul Morphy [1]. Anfang des 20. Jahrhunderts setzte die hypermoderne Schule um Aaron Nimzowitsch und Richard Réti einen Gegenakzent. Siegbert Tarrasch hatte die rasche Besetzung des Zentrums gelehrt, die Hypermodernen entwickelten ihre Figuren zurückhaltend über die Flügel, oft mit Läufern auf den langen Diagonalen [1].

Die FIDE und das 20. Jahrhundert

Am 20. Juli 1924 wurde in Paris der Weltschachbund FIDE gegründet [1, 6]. Die Vereinten Nationen haben diesen Tag im Dezember 2019 als Weltschachtag bestätigt [6]. 1927 fand in London die erste Schacholympiade statt [1]. Nach dem Tod des Weltmeisters Alexander Aljechin 1946 übernahm die FIDE die Weltmeisterschaft [1]. Mit Michail Botwinnik, dem Sieger des Turniers von 1948, begann eine Zeit sowjetischer Vorherrschaft [2]. Bis zum Ende der Sowjetunion war Bobby Fischer, Weltmeister von 1972 bis 1975, der einzige Weltmeister, der nicht aus der Sowjetunion kam [2].

1993 kam es zum Bruch: Garri Kasparow und Nigel Short trugen ihren Wettkampf außerhalb der FIDE aus, und es gab zwei Weltmeistertitel [1]. Erst 2006 gewann Wladimir Kramnik den Vereinigungskampf gegen Wesselin Topalow, seitdem gibt es wieder nur einen Weltmeister [1]. 2023 wurde Ding Liren als 17. Weltmeister der erste Weltmeister der offenen Klasse aus China [10].

Computer und Gegenwart

Ab den 1990er Jahren erreichten Schachprogramme Meisterniveau [1]. IBMs Rechner Deep Blue verlor 1996 in Philadelphia gegen Kasparow mit 2 zu 4, gewann aber im Mai 1997 in New York den Rückkampf über sechs Partien mit 3,5 zu 2,5 [7]. Deep Blue konnte nach Angaben von IBM 200 Millionen Stellungen pro Sekunde bewerten [7]. 2017 wurde das Programm AlphaZero vorgestellt, das mit neuronalen Netzen arbeitet und herkömmliche Programme teilweise übertraf [1]. Heute sind Schachprogramme ein Werkzeug zur Analyse von Partien und Eröffnungen [1]. Gegen ein solches Programm kannst du auf der Seite Schach gegen den Computer selbst antreten.

Ein modernes Holzschachbrett auf einem Schreibtisch neben einem zugeklappten Laptop am Abend
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Seit Dezember 2024 ist Gukesh Dommaraju aus Indien Weltmeister. Er besiegte in Singapur den Chinesen Ding Liren mit 7,5 zu 6,5 und wurde nach Angaben der FIDE als 18. Weltmeister der jüngste der Geschichte [1, 8]. Seine erste Titelverteidigung gegen Javokhir Sindarov aus Usbekistan hat die FIDE für den 22. November bis 12. Dezember 2026 in Cologny bei Genf angesetzt [9].

  1. Geschichte des Schachspiels. Wikipedia (deutsch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. History of chess. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Castling, Abschnitt History. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Stalemate, Abschnitt History of the stalemate rule. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. Deutscher Schachbund. Wikipedia (deutsch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Organisation UN adopts July 20 as World Chess Day. FIDE. Stand 14.12.2019. abgerufen am 29.10.2026
  7. Organisation Deep Blue. IBM. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  8. Organisation FIDE World Championship Game 14: Gukesh D claims title. FIDE. Stand 12.12.2024. abgerufen am 29.10.2026
  9. Organisation Salesforce FIDE World Championship Match 2026: Schedule, format, and prize fund confirmed. FIDE. Stand 14.09.2026. abgerufen am 29.10.2026
  10. Organisation Ding Liren crowned World Champion. FIDE. Stand 01.05.2023. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.