Schachregeln einfach erklärtRatgeber

Schachnotation: so schreibst du Schachzüge auf

Die Schachnotation beschreibt jeden Zug mit dem Buchstaben der Figur und dem Zielfeld, etwa Sf3 für einen Springerzug nach f3. Bauernzüge stehen ohne Buchstaben, also e4. Dazu kommen Zeichen wie x für Schlagen, + für Schach, # für Matt sowie 0-0 und 0-0-0 für die Rochaden.

Ein Bleistift liegt auf einem leeren Blatt neben einem Holzschachbrett mitten in einer Partie
Bild: KI-generiert

Wer eine Partie aufschreibt, kann sie später nachspielen, mit dem Trainer besprechen oder in ein Schachprogramm laden. Im Turnier ist das Mitschreiben bei längerer Bedenkzeit sogar Pflicht. Die FIDE erkennt für ihre Turniere nur ein System an, die algebraische Notation, und empfiehlt sie auch für Bücher und Zeitschriften [1]. Mit wenigen Regeln liest du damit jede Partie aus einem Schachbuch, auch wenn die Figurenbuchstaben je nach Sprache wechseln.

Jedes Feld hat einen Namen

Die acht senkrechten Linien heißen von links nach rechts a bis h, gesehen aus der Sicht von Weiß. Die acht waagerechten Reihen tragen von unten nach oben die Zahlen 1 bis 8 [1]. Jedes der 64 Felder hat damit genau einen Namen aus Buchstabe und Zahl, zum Beispiel e4 oder g7 [1]. Die weißen Figuren stehen zu Beginn auf der ersten und zweiten Reihe, die schwarzen auf der siebten und achten [1]. Für Schwarz laufen die Buchstaben von rechts nach links und die Zahlen von oben nach unten, die Felder behalten aber ihre Namen [1].

Nahaufnahme der Ecke eines Holzschachbretts mit dunklem Eckfeld unten links im Tageslicht
Bild: KI-generiert

Buchstaben für die Figuren

Jede Figur bekommt einen Großbuchstaben. Die FIDE nennt die englischen Anfangsbuchstaben als Beispiel, erlaubt aber ausdrücklich die Namen, die im eigenen Land üblich sind [1]. Im Deutschen sind das die folgenden Buchstaben [3]:

FigurDeutschEnglisch
KönigKK
DameDQ
TurmTR
LäuferLB
SpringerSN
Bauerkein Buchstabekein Buchstabe

Bauern erkennt man daran, dass kein Buchstabe vor dem Feld steht. Die FIDE schreibt also e5 und nicht Pe5 oder pe5 [1]. Den Springer kürzt man im Englischen mit N ab, weil das K schon für den König vergeben ist [1]. In gedruckten Zeitschriften empfiehlt die FIDE kleine Figurensymbole statt der Buchstaben [1]. Diese Schreibweise heißt figurine Notation und ist unabhängig von der Sprache lesbar [5].

Lange und kurze Schreibweise

In der langen Form notierst du Figur, Ausgangsfeld, einen Strich und das Zielfeld, etwa Te5-e7 für einen Turm, der von e5 nach e7 zieht [2]. Bei einem Bauernzug fällt der Buchstabe weg: a2-a3 [2]. Die kurze Form lässt das Ausgangsfeld und den Strich weg, aus Ke1-e2 wird Ke2 und aus e2-e4 wird e4 [3]. Die FIDE schreibt die kurze Form vor und lässt die längere mit Ausgangsfeld ausdrücklich zu [1]. Für Anfänger ist die lange Form oft leichter, weil man beim Nachspielen sofort sieht, welche Figur gemeint ist.

Die Züge einer Partie werden durchgezählt. Ein Zug von Weiß und die Antwort von Schwarz bilden zusammen einen Zug mit derselben Nummer [5]. Beginnt eine Variante mit einem schwarzen Zug, ersetzt man den weißen Zug durch drei Punkte, zum Beispiel 2...Sc6 [5].

Zeichen für Schlagen, Schach und Matt

Für Schlagzüge setzt man ein x vor das Zielfeld, etwa Lxe5 [1]. Schlägt ein Bauer, steht vor dem x die Linie, von der er kommt: dxe5 [1]. Ein Schachgebot bekommt ein + hinter den Zug, ein Matt ein # [1, 3]. Die FIDE nennt für das Matt auch ++ [1]. Schlotter verwendet ++ dagegen für ein Doppelschach [3]. Wenn du ++ liest, hilft daher ein Blick auf die Stellung. Die FIDE erklärt die Zeichen x, +, # und e.p. für freiwillig, im Partieformular darfst du sie also weglassen [1].

Rochade, Umwandlung und en passant

Die kurze Rochade schreibst du als 0-0, die lange als 0-0-0 [1]. Wie die Rochade abläuft, steht unter Rochade: Regeln und Bedingungen. Bei der Umwandlung eines Bauern notierst du den Bauernzug und direkt dahinter die neue Figur, auf Deutsch zum Beispiel d8D oder exf8L+ [1, 3]. Die FIDE nennt als englische Beispiele d8Q und exf8N [1]. Schlägt ein Bauer en passant, darf man e.p. anhängen: exd6 e.p. [1]. Was dabei auf dem Brett passiert, erklären die Seiten zur Bauernumwandlung und zum Schlagen en passant.

Wenn zwei Figuren dasselbe Feld erreichen

Können zwei gleiche Figuren auf dasselbe Feld ziehen, muss der Zug eindeutig werden. Stehen sie auf derselben Reihe, ergänzt man die Linie des Ausgangsfelds. Stehen sie auf derselben Linie, ergänzt man die Zahl der Reihe [1]. Stehen sie auf verschiedenen Linien und Reihen, bevorzugt die FIDE die Angabe der Linie [1]. Die FIDE nennt dazu Beispiele mit Springern: Stehen sie auf g1 und e1 und einer zieht nach f3, schreibt man Sgf3 oder Sef3. Stehen sie auf g5 und g1, schreibt man S5f3 oder S1f3 [1].

Wie sich die algebraische Notation durchsetzte

Die algebraische Schreibweise findet sich nach der deutschsprachigen Wikipedia erstmals 1737 bei Philipp Stamma in seinem Essai sur le jeu des échecs [5]. In Deutschland setzte sie sich vergleichsweise früh durch, angestoßen durch ein 1784 in Breslau erschienenes Werk von Moses Hirschel und durch das Lehrbuch von Johann Allgaier, das erstmals 1795 erschien [5]. In englischsprachigen Büchern findet man bis in die 1980er Jahre überwiegend die beschreibende Notation [5]. Dort zählt jeder Spieler die Reihen von seiner eigenen Seite aus, und die Linien heißen nach den Figuren, die zu Beginn auf ihnen stehen. Die e-Linie heißt zum Beispiel K für den König, die a-Linie QR für den Damenturm [5].

Kommentarzeichen und Ergebnis

In Büchern und Analysen bewerten Zeichen hinter dem Zug seine Qualität. Schlotter nennt ! für einen guten Zug, !! für einen ausgezeichneten, !? für einen beachtenswerten, ? für einen schwachen, ?? für einen groben Fehler und ?! für einen fragwürdigen Zug [3]. Die deutschsprachige Wikipedia weist darauf hin, dass solche Bewertungen subjektiv sind und verschiedene Kommentatoren denselben Zug unterschiedlich beurteilen können [5]. Als Vorreiter dieser Symbole nennt sie die Zeitschrift Schachinformator, die seit 1966 in Belgrad erscheint [5].

Das Ergebnis steht am Ende der Partie: 1-0 für einen Sieg von Weiß, 0-1 für einen Sieg von Schwarz und ½-½ für ein Remis [5]. Ein Remisangebot halten beide Spieler im Formular mit dem Zeichen (=) fest [1].

Mitschreiben im Turnier

Bei Turnierpartien mit normaler Bedenkzeit schreibt jeder Spieler seine eigenen Züge und die des Gegners Zug für Zug in algebraischer Notation auf, auf dem Partieformular oder auf einem von der FIDE zugelassenen elektronischen Formular [1]. Du darfst auf einen gegnerischen Zug antworten, bevor du ihn notierst. Vor deinem nächsten Zug muss der vorige aber auf dem Formular stehen [1]. Züge im Voraus aufzuschreiben ist verboten, außer wenn du ein Remis wegen Stellungswiederholung oder nach der 50-Züge-Regel beantragst [1].

Zwei Erwachsene an einem Turniertisch, einer hält einen Stift über ein leeres Blatt neben dem Schachbrett
Bild: KI-generiert

Wird die Zeit knapp, entfällt die Pflicht: Wer in einem Zeitabschnitt weniger als fünf Minuten auf der Uhr hat und keine Zeitgutschrift von mindestens 30 Sekunden je Zug bekommt, muss bis zum Ende dieses Abschnitts nicht mehr mitschreiben [1]. Im Schnellschach müssen die Spieler gar nicht mitschreiben [1]. Mehr zu den Zeitformen findest du unter Schachuhr und Bedenkzeit.

Eine Beispielpartie lesen

Die FIDE druckt in ihren Regeln eine kurze Beispielpartie ab. Mit deutschen Buchstaben lautet sie: 1.e4 e5 2.Sf3 Sf6 3.d4 exd4 4.e5 Se4 5.Dxd4 d5 6.exd6 e.p. Sxd6 7.Lg5 Sc6 8.De3+ Le7 9.Sbd2 0-0 10.0-0-0 Te8 11.Kb1 (=) [1]. Darin kommt fast alles vor: Bauernzüge ohne Buchstaben, Schlagzüge mit x, ein Schlagen en passant, ein Schach, eine eindeutig gemachte Springerangabe mit Sbd2, beide Rochaden und am Ende ein Remisangebot. Spiel die Folge am Brett nach. Im neunten Zug steht Sbd2, weil auch der Springer auf f3 das Feld d2 erreichen könnte.

FEN und PGN für Schachprogramme

Schachprogramme speichern Partien meist im Format PGN, der Portable Game Notation. Ihre Spezifikation erschien 1994, koordiniert von Steven J. Edwards [4]. Eine PGN-Datei beginnt mit sieben Pflichtangaben in eckigen Klammern: Veranstaltung, Ort, Datum, Runde, Weiß, Schwarz und Ergebnis [4]. Danach folgt die Zugfolge mit englischen Buchstaben, also Nf3 statt Sf3 [4]. Die Rochade steht dort als O-O mit dem Großbuchstaben O und ausdrücklich nicht mit der Ziffer Null [4]. Ein Remis heißt in PGN 1/2-1/2, eine laufende oder abgebrochene Partie bekommt ein Sternchen [4].

Ein Laptop von hinten gesehen auf einem Schreibtisch neben einem kleinen Holzschachspiel am Abend
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Für eine einzelne Stellung gibt es die FEN, die Forsyth-Edwards-Notation. Sie geht auf ein Verfahren des schottischen Journalisten David Forsyth aus dem 19. Jahrhundert zurück [4]. Eine FEN-Zeile hat sechs Felder: die Figurenstellung von der achten bis zur ersten Reihe, wer am Zug ist, die noch möglichen Rochaden, das Feld für ein mögliches Schlagen en passant, die Zahl der Halbzüge seit dem letzten Bauernzug oder Schlagfall und die Zugnummer [4]. Weiße Figuren stehen als Großbuchstaben, schwarze als Kleinbuchstaben, Ziffern zählen leere Felder [4]. Die Startstellung sieht so aus [4]:

rnbqkbnr/pppppppp/8/8/8/8/PPPPPPPP/RNBQKBNR w KQkq - 0 1

Nach 1.e4 lautet die Zeile rnbqkbnr/pppppppp/8/8/4P3/8/PPPP1PPP/RNBQKBNR b KQkq e3 0 1 [4]. Das e3 im vierten Feld steht nach der Spezifikation nach jedem Doppelschritt eines Bauern, auch wenn gerade kein gegnerischer Bauer en passant schlagen kann [4]. Auf unserer Seite Schach gegen den Computer kannst du die Notation direkt beim Spielen mitverfolgen.

  1. Organisation FIDE Laws of Chess taking effect from 1 January 2023, Artikel 2.1, 8.1, 8.4, A.2, B.3 und Anhang C. FIDE. Stand 01.01.2023. abgerufen am 29.10.2026
  2. Studie Intensivkurs Schach. Ein Lern- und Lehrbuch für Anfänger und ihre Lehrer, Teil 1, Kapitel 3 (Die Notation). Dietrich Schlotter, bereitgestellt von der Deutschen Schachjugend. Stand 2. Auflage 2016. abgerufen am 29.10.2026
  3. Studie Intensivkurs Schach. Ein Lern- und Lehrbuch für Anfänger und ihre Lehrer, Teil 2, Kapitel 30 (Vervollständigung der Notation). Dietrich Schlotter, bereitgestellt von der Deutschen Schachjugend. Stand 2. Auflage 2016. abgerufen am 29.10.2026
  4. Portable Game Notation Specification and Implementation Guide, Abschnitte 8.1.1, 8.2.3, 8.2.6 und 16.1. Steven J. Edwards (Koordinator), XML-Fassung von Andreas Saremba. Stand 1994. abgerufen am 29.10.2026
  5. Schachnotation. Wikipedia (deutsch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.