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Englische Eröffnung: so spielst du 1.c4
Die Englische Eröffnung beginnt mit 1.c4. Weiß kämpft vom Flügel aus um das Feld d5 und hält sich offen, ob er später in ein Damengambit, eine indische Struktur oder einen Sizilianer mit vertauschten Farben übergeht. Die wichtigsten Antworten von Schwarz sind 1...c5, 1...e5 und 1...Sf6.

Die Englische Eröffnung beginnt mit 1.c4. Sie gehört zu den geschlossenen Spielen und umfasst im ECO-Schlüssel die Codes A10 bis A39 [1]. Nach der englischen Wikipedia ist 1.c4 der vierthäufigste erste Zug und nach verschiedenen Datenbanken einer der vier erfolgreichsten der 20 möglichen Eröffnungszüge von Weiß [2].
Die Idee hinter 1.c4
1.c4 ist ein Flankenzug im Stil der Hypermodernen Schule. Weiß kämpft vom Flügel aus um das Feld d5 [2]. Der Bauer auf c4 greift d5 an, und oft kommen ein Springer auf c3 und ein Läufer auf g2 dazu, der über die lange Diagonale ebenfalls auf d5 zielt. Die englische Wikipedia beschreibt die Eröffnung als solide und flexibel. Sie kann zu klassischen wie zu hypermodernen Stellungen führen [2].

Die deutsche Wikipedia schreibt, man könne oft in andere Systeme übergehen, etwa ins Damengambit, in die Indischen Verteidigungen oder ins Sizilianische, und kein anderes Eröffnungssystem biete eine vergleichbare Vielfalt [1]. Weiß kann so manchen Antworten auf 1.d4 aus dem Weg gehen, zum Beispiel der Nimzowitsch-Indischen Verteidigung oder der Grünfeld-Indischen Verteidigung [2]. Häufig beginnt die Partie auch mit 1.Sf3 und erst danach 2.c4 [1].
Die ECO-Codes im Überblick
Im ECO-Schlüssel ist die Englische Eröffnung nach der ersten Antwort von Schwarz in drei Gruppen geteilt [2].
| Codes | Antwort von Schwarz | Beispiele |
|---|---|---|
| A10 bis A19 | andere Antworten, vor allem 1...Sf6 und 1...e6 | Anglo-Indisch, Agincourt-Verteidigung, Mikenas-Carls-Variante |
| A20 bis A29 | 1...e5 | Bremer System, Vierspringerspiel |
| A30 bis A39 | 1...c5 | Symmetrievariante, Mecking-Variante |
Woher der Name kommt
Über die Herkunft des Namens gibt es zwei Darstellungen. Die englische Wikipedia führt ihn auf Howard Staunton zurück, einen führenden englischen Meister des 19. Jahrhunderts. Er spielte 1.c4 im Wettkampf gegen Saint-Amant 1843 und beim Turnier London 1851, dem ersten internationalen Turnier. Seine Zeitgenossen übernahmen den Zug aber nicht, beliebt wurde er erst im 20. Jahrhundert [2]. Edward Winter fand zu Stauntons Lebzeiten (er starb 1874) keinen Beleg dafür, dass der Name wegen Stauntons Vorliebe für den Zug entstand. Die früheste Quelle, die Winter nennt und die beides verbindet, ist ein Beitrag von Reichhelm im "American Chess Journal" vom Juni 1879 [3].

Die deutsche Wikipedia beschreibt den Weg anders. Danach taucht die Bezeichnung zuerst 1868 in der Neuen Berliner Schachzeitung auf, in einem Kommentar zu einer Partie zwischen Cecil De Vere und Jules Arnous de Rivière aus dem Pariser Turnier von 1867 [1]. Johannes Hermann Zukertort ordnete 1.c4 den unregelmäßigen Eröffnungen zu und benannte sie nach den englischen Spielern, die den Zug gern spielten. In England hatte zuvor die Ponziani-Eröffnung "Englische Eröffnung" geheißen. Weil sie selten gespielt wurde, ging der Name auf 1.c4 über [1]. Carl Carls (1880 bis 1958) wollte die Eröffnung vergeblich "Bremer Partie" nennen [1].
Symmetrievariante: 1...c5
Antwortet Schwarz mit 1...c5, stehen sich die c-Bauern symmetrisch gegenüber. Die Symmetrievariante umfasst die ECO-Codes A30 bis A39 [2]. Schwarz erreicht sie oft auch mit verzögertem ...c5, etwa nach 1.c4 Sf6 2.Sc3 c5 [2]. Spielt Weiß später d4, etwa mit 1.c4 c5 2.Sf3 Sf6 3.d4 cxd4 4.Sxd4, entstehen Strukturen des Offenen Sizilianers mit dem Maróczy-Bund oder Stellungen des abgelehnten Damengambits [2].
Innerhalb der Symmetrievariante gibt es eigene Systeme. Nach 1.c4 c5 2.Sc3 Sf6 3.Sf3 d5 4.cxd5 Sxd5 5.g3 Sc6 6.Lg2 Sc7 und dem späteren ...e5 entsteht das Rubinstein-System [2]. Beim Igel stellt Schwarz seine Steine mit ...b6, ...e6, ...Lb7 und ...Le7 zunächst zurückhaltend auf und kontrolliert danach mit ...a6 und ...d6 die fünfte Reihe. Das Spiel ist langsam, beide Seiten manövrieren und achten auf die Bauernhebel des Gegners [2]. Im Doppelfianchetto stellt Schwarz beide Läufer auf g7 und b7. Die englische Wikipedia nennt diesen Aufbau solide und auf Großmeisterniveau schwer zu schlagen, aber oft remislastig, wenn auch Weiß fianchettiert [2]. Über 1.c4 c5 2.e3 Sf6 3.d4 cxd4 4.exd4 d5 kann die Partie sogar im Panow-Angriff der Caro-Kann-Verteidigung landen [2].
Verzichten beide Seiten auf den frühen d-Bauern, entstehen symmetrische Fianchetto-Stellungen. Nach 1.c4 c5 2.Sc3 Sc6 3.g3 g6 4.Lg2 Lg7 5.Sf3 spricht man von der Zweispringer-Linie (A37), mit 5...Sf6 von der vollsymmetrischen Linie (A38). Bricht Weiß die Symmetrie mit 6.0-0 0-0 7.d4 auf, heißt das Mecking-Variante (A39) [2]. Den Vorstoß ...d5 kann Schwarz ebenfalls früh wagen. Nach 1.c4 c5 2.Sc3 Sf6 3.Sf3 d5 4.cxd5 Sxd5 kann Weiß das Zentrum mit 5.d4 oder 5.e4 angreifen oder Schwarz mit 5.g3 Raum in der Mitte lassen [2].
Sizilianisch im Anzuge: 1...e5
Mit 1...e5 bekommt Weiß eine sizilianische Struktur, hat aber einen Zug mehr als Schwarz im Sizilianer. Die Wikipedia spricht von Sizilianisch im Anzuge oder vom umgekehrten Sizilianer, im ECO-Schlüssel A20 bis A29 [1, 2]. Bruce Leverett merkte dazu an, es liege nahe, Englisch als umgekehrten Sizilianer zu behandeln, doch die Ergebnisse seien oft überraschend [2]. Den echten Sizilianer mit Schwarz erklärt die Seite Sizilianische Verteidigung.
Eine Hauptlinie ist das Vierspringerspiel 1.c4 e5 2.Sc3 Sc6 3.Sf3 Sf6 mit dem Code A28 [2]. Mit 3.g3 nach 1.c4 e5 2.Sc3 Sf6 entsteht das Bremer System (A23 bis A24). Weiß kann auch einen Aufbau wie im Geschlossenen Sizilianer wählen (A25 bis A26), etwa mit 2.Sc3 Sc6 3.g3 g6 4.Lg2 Lg7 5.d3 d6 [2]. Nach einer Beobachtung von Leverett im Eröffnungshandbuch MCO-14 entsprechen die Hauptlinien des Sizilianers oft abgelegenen Nebenvarianten im Englischen und umgekehrt [2].
Anglo-Indisch: 1...Sf6
Mit 1...Sf6 hält sich Schwarz offen, welche indische Aufstellung er wählt. Die englische Wikipedia nennt diese Antwort Anglo-Indische Verteidigung (A15) [2]. Spielt Weiß 2.Sc3 e6 3.e4, entsteht das Mikenas- oder Flohr-Mikenas-System. Die englische Wikipedia nennt es Mikenas-Carls-Variante (A18) [1, 2]. Weiß stellt damit doch noch einen Bauern auf e4 und droht, den Springer mit e4-e5 zu vertreiben. Schwarz kann hier 3...Sc6 (Kevitz-Variante) oder 3...c5 spielen, die Hauptlinie ist aber 3...d5 4.e5, die Flohr-Variante [2]. Dort geht es scharf weiter mit 4...d4 5.exf6 dxc3 6.bxc3 Dxf6 7.d4. Beide Seiten haben einen Springer verloren, und Weiß hat danach ein starkes Bauernzentrum [1]. Nach 3...c5 4.e5 Sg8 kann Weiß mit 5.d4 seinen Vorposten auf e5 halten [1]. Eine ruhigere Linie entsteht nach 1.c4 Sf6 2.Sc3 d5 3.cxd5 Sxd5 4.g3, die Michail Botwinnik 1958 in seinem letzten Weltmeisterschaftskampf gegen Wassili Smyslow mehrmals spielte [2].
Weitere Antworten von Schwarz
Neben den drei Hauptzügen hat Schwarz viele andere Möglichkeiten [2]. Mit 1...e6 und anschließendem ...d5, der Agincourt-Verteidigung (A13), kommt es oft zum Neo-Katalanischen Aufbau 1.c4 e6 2.Sf3 d5 3.g3 Sf6 4.Lg2. Mit 1...c6 kann die Partie in Slawisch, Caro-Kann oder die Réti-Eröffnung übergehen. Weiß kann darauf auch mit 2.b4 antworten und in eine Nebenlinie der Polnischen Eröffnung wechseln, die die englische Wikipedia als mögliche Überraschungswaffe bezeichnet [2]. Nach 1...f5 entsteht die Holländische Verteidigung, sobald Weiß d4 zieht. Die Englische Verteidigung 1...b6 spielten Tony Miles und Jonathan Speelman [2]. Mit 1...g6 hält sich Schwarz die Moderne, die Königsindische und die Grünfeld-Indische Verteidigung offen. Die Anglo-Skandinavische Verteidigung 1...d5 gilt als schwächer als die Skandinavische gegen 1.e4, und das Jaenisch-Gambit 1...b5 gibt einen Bauern ohne unmittelbaren Ausgleich [2].
Zugumstellungen
Die englische Wikipedia beschreibt 1.c4 als häufig genutztes Mittel zur Zugumstellung, besonders in die Königsindische Verteidigung und das abgelehnte Damengambit [2]. Zwei Beispiele aus der englischen Wikipedia [2]:
- 1.c4 e6 2.Sf3 d5 3.d4 ergibt das abgelehnte Damengambit. Will Weiß das vermeiden, spielt er gegen 1...e6 und ...d5 die Réti-Eröffnung mit 2.Sf3 d5 3.b3.
- 1.c4 Sf6 2.Sc3 g6 3.d4 d5 ergibt die Grünfeld-Indische Verteidigung. Mit 3.e4 statt 3.d4 lenkt Weiß die Partie in Richtung Königsindische Verteidigung.
Auch Weiß nutzt die Zugfolge gezielt. Mit 1.c4 Sf6 2.Sf3 c5 3.d4 weicht Weiß der Benoni-Verteidigung aus. Diese Spielweise heißt Anti-Benoni [2].
Das Botwinnik-System
Ein Aufbau, den Weiß gegen viele schwarze Antworten wählen kann, ist nach Michail Botwinnik benannt. Weiß spielt in einer passenden Reihenfolge c4, Sc3, d3, e4, g3, Lg2 und Sge2 [2]. Die Bauern auf c4 und e4 kontrollieren dann das Feld d5, und der Läufer auf g2 unterstützt sie von hinten.
Englisch in Weltmeisterschaften
Michail Botwinnik, Tigran Petrosjan, Anatoli Karpow, Garri Kasparow, Magnus Carlsen und Ding Liren haben 1.c4 in Weltmeisterschaftskämpfen gespielt [2]. Bobby Fischer wechselte kurz vor dem Ende seiner Laufbahn von 1.e4 zu 1.c4. Er spielte den Zug 1970 beim Interzonenturnier in Palma de Mallorca gegen Lew Polugajewski und Oscar Panno und 1972 im Wettkampf gegen Boris Spasski [2]. Ding Liren gewann mit der Englischen Eröffnung die vierte Partie der Weltmeisterschaft 2023 gegen Jan Nepomnjaschtschi und die zwölfte Partie der Weltmeisterschaft 2024 gegen Gukesh Dommaraju [2].

Wenn du 1.c4 ausprobieren willst, beginne mit einem Aufbau gegen 1...e5 und einem gegen 1...c5, und spiele die Stellungen gegen den Computer durch.
- Englische Eröffnung. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- English Opening. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Studie The English Opening (Chess Notes). Edward Winter, chesshistory.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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