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Spanische Partie (Ruy López): Idee, Hauptvarianten und Pläne

Die Spanische Partie entsteht nach 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5. Der weiße Läufer greift den Springer an, der den Bauern e5 deckt, und baut so langen Druck auf. Die häufigste Antwort ist 3...a6, die Morphy-Verteidigung; die wichtigste Alternative ist die Berliner Verteidigung mit 3...Sf6.

Holzschachbrett in einer Eröffnungsstellung, ein heller Läufer steht dicht vor einem dunklen Springer
Bild: KI-generiert

Die Spanische Partie, im Englischen Ruy Lopez genannt, gilt auf Meisterebene als die wichtigste Eröffnung unter den offenen Spielen [1]. Ihre Theorie ist besonders weit ausgearbeitet, manche Varianten sind über den 30. Zug hinaus analysiert [1]. Für Vereinsspieler ist sie trotzdem gut zugänglich, denn die ersten Züge folgen den Eröffnungsgrundsätzen, und die Pläne wiederholen sich in vielen Varianten.

Zugfolge und Idee

Die Spanische Partie beginnt mit 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 und trägt die ECO-Codes C60 bis C99 [1, 2]. Dietrich Schlotter beschreibt 3.Lb5 in seinem Lehrbuch als vollwertigen Entwicklungszug mit einem zusätzlichen Vorteil: Der Läufer greift den Springer an, der den Bauern e5 deckt, und richtet damit einen indirekten Angriff gegen e5 [3]. Ein Tausch auf c6 würde die Deckung beseitigen [3].

Eine sofortige Drohung ist das aber nicht. Nach 4.Lxc6 dxc6 5.Sxe5 holt Schwarz den Bauern mit 5...Dd4 zurück, weil die Dame zugleich den Springer und den Bauern e4 angreift [1, 2]. Weiß spielt deshalb meist zuerst die Rochade und wählt erst danach zwischen dem Tausch auf c6 und dem Vorstoß d4 [2].

Name und Geschichte

Die Eröffnung ist nach dem spanischen Priester Ruy López de Segura benannt, der sie in seinem Buch "Libro del Axedrez" von 1561 untersuchte [1, 2]. Älter ist ihre Erwähnung in der Göttinger Handschrift, die auf etwa 1490 datiert wird [1]. Weit verbreitet wurde sie erst Mitte des 19. Jahrhunderts, nach einem Aufsatz von Carl Jaenisch aus dem Jahr 1847 [1]. Ende des 19. Jahrhunderts wurde sie zur beliebtesten Eröffnung unter den offenen Spielen im Meisterschach und blieb es bis heute [2].

Altes Holzschachbrett auf einem Eichentisch in einem dunklen Klosterraum mit Bogenfenster und Kerzenlicht
Bild: KI-generiert

Die Morphy-Verteidigung mit 3...a6

Die häufigste Antwort ist 3...a6, sie kommt in etwa zwei Dritteln aller spanischen Partien vor [1]. Paul Morphy spielte den Zug 1858 in seinem Wettkampf gegen Adolf Anderssen, erfunden hat er ihn aber nicht [1]. Schwarz fragt den Läufer sofort, ob er auf c6 tauschen will. Weiß zieht in der Hauptvariante 4.La4 zurück [2].

Die Abtauschvariante

In der Abtauschvariante tauscht Weiß mit 4.Lxc6 dxc6 sofort auf c6 [2]. Der Bauerngewinn mit 5.Sxe5 funktioniert auch hier nicht, denn 5...Dd4 greift Springer und Bauer e4 gleichzeitig an [1]. Schwarz hat nach dem Tausch zwei Bauern auf der c-Linie, dafür beide Läufer. Wie solche Strukturen das spätere Spiel bestimmen, steht unter Bauernstruktur.

Der geschlossene Spanier

Die Zugfolge 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 Sf6 5.0-0 Le7 ist das meistgespielte System der Spanischen Partie [1]. Die klassische Hauptvariante 6.Te1 b5 7.Lb3 d6 8.c3 0-0 9.h3 gilt oft als Hauptlinie der ganzen Eröffnung [1]. Weiß bereitet mit c3 und h3 den Vorstoß d4 vor, ohne dass Schwarz mit ...Lg4 den Springer f3 fesseln kann. Statt 6.Te1 ist auch 6.De2 möglich, der Worrall-Angriff: Die Dame deckt den Bauern e4, und der Turm kann später nach d1 gehen, um den d-Bauern zu stützen [1].

Schwarz hat danach mehrere Pläne. In der Saizew-Variante folgt 9...Lb7 10.d4 Te8 11.Sbd2 Lf8 [1]. Statt 11.Sbd2 kann Weiß mit 11.Sg5 Tf8 12.Sf3 eine Zugwiederholung erzwingen [1]. Mit 9...Sa5 verjagt Schwarz den Läufer von b3, dieser Zug wird meist mit Michail Tschigorin verbunden [1]. Die Tschigorin-Variante geht mit 10.Lc2 c5 11.d4 Dc7 weiter; die Dame deckt e5 und steht auf der c-Linie [1]. In der Breyer-Variante führt Schwarz den Springer mit 9...Sb8 10.d4 Sbd7 um [1]. Die Smyslow-Variante mit 9...h6 verfolgt einen ähnlichen Plan wie Saizew: Schwarz will ...Te8 und ...Lf8 spielen, ohne den Sprung Sg5 fürchten zu müssen [1].

Der Marshall-Angriff

Statt 7...d6 kann Schwarz mit 7...0-0 8.c3 d5 einen Bauern opfern [1]. Frank Marshall spielte dieses Gambit 1918 gegen José Raúl Capablanca, der die Partie gewann [1, 5]. Die Hauptvariante lautet 9.exd5 Sxd5 10.Sxe5 Sxe5 11.Txe5 c6; Marshall zog 1918 stattdessen 11...Sf6 [1]. Schwarz bekommt für den Bauern Angriff gegen den weißen König. Am häufigsten weicht Weiß dem Marshall-Angriff mit 8.a4 aus, etwa 8.a4 b4 9.d3 d6 10.a5 Le6 [1]. Eine andere Möglichkeit ist 8.h3 Lb7 9.d3 [1].

Die offene Verteidigung

Nach 5.0-0 kann Schwarz auch mit 5...Sxe4 den Bauern e4 schlagen [2]. Meist folgt 6.d4 b5 7.Lb3 d5 8.dxe5 Le6; Schwarz nutzt die Zeit, die Weiß für den Rückgewinn des Bauern braucht, um im Zentrum Fuß zu fassen [1]. Siegbert Tarrasch empfahl diese offene Verteidigung, Capablanca hielt sie für schwächer [2]. Garri Kasparow gewann 1995 mit Weiß eine Glanzpartie gegen Viswanathan Anand [2].

Die Berliner Verteidigung

Mit 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 Sf6 greift Schwarz sofort den Bauern e4 an. Das ist die häufigste Alternative zu 3...a6 und gilt als solide Waffe, mit der Schwarz ein Remis anstrebt [1]. Die bekannteste Zugfolge führt nach 4.0-0 Sxe4 5.d4 Sd6 6.Lxc6 dxc6 7.dxe5 Sf5 8.Dxd8+ Kxd8 in ein frühes Endspiel ohne Damen [4]. Im Englischen heißt dieses Endspiel auch "Berlin Wall", also Berliner Mauer [4].

Schachbrett in einem frühen Endspiel mit Königen und Leichtfiguren, ohne Damen, kühles Tageslicht
Bild: KI-generiert

Berühmt wurde die Berliner Verteidigung durch den Weltmeisterschaftskampf 2000. Wladimir Kramnik spielte sie in vier Partien mit Schwarz gegen Garri Kasparow, alle vier endeten remis [4]. Danach stieg das Interesse an dieser Verteidigung auf allen Spielstärken [4]. Auch Magnus Carlsen und Viswanathan Anand spielten sie 2013 in ihrem Weltmeisterschaftskampf [4]. Wer das Endspiel vermeiden will, spielt mit Weiß 4.d3, die sogenannte Anti-Berliner Variante [4].

Weitere Verteidigungen

Mit 3...d6 deckt Schwarz in der Steinitz-Verteidigung den Bauern e5 sofort. Sie gilt als solide, aber passiv; Steinitz, Lasker, Capablanca und Smyslow haben sie gespielt [2]. Heute ist sie selten, Weiß kann mit 4.d4 antworten [2]. Spätere Fassungen derselben Idee sind die moderne Steinitz-Verteidigung mit 3...a6 4.La4 d6 und die verbesserte Steinitz-Verteidigung mit 3...Sf6 4.0-0 d6 [2]. Weitere dritte Züge für Schwarz sind das Jaenisch-Gambit 3...f5, die Cordel-Verteidigung 3...Lc5, die Bird-Verteidigung 3...Sd4 und die Cozio-Verteidigung 3...Sge7 [1].

Schlotter zeigt außerdem an einer spanischen Partie mit 3...Lc5, der Cordel-Verteidigung, den sogenannten Gabeltrick [1, 3]. Auf 4.Sxe5 Sxe5 gewinnt Weiß mit 5.d4 die Figur zurück, weil der Bauer Läufer und Springer zugleich angreift [3]. Schwarz kann das Opfer mit 4...Dg5 ablehnen, das greift den Springer und den Bauern g2 an [3]. Nach 5.Sg4 h5 6.Lxc6 dxc6 7.d4 Lxg4 8.Lxg5 Lxd1 9.dxc5 Lxc2 ist die Stellung laut Schlotter etwa ausgeglichen [3].

Pläne im geschlossenen Spanier

Schlotter erläutert die Spanische an einer Partie von Capablanca gegen Amos Burn aus dem Turnier von San Sebastián 1911 [6]: 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 Sf6 5.d3 d6 6.c3 Le7 7.Sbd2 0-0 8.Sf1 b5 9.Lc2 d5 10.De2 dxe4 11.dxe4 Lc5 12.Lg5 Le6 13.Se3 Te8 14.0-0 De7 15.Sd5 Lxd5 16.exd5 Sb8 17.a4 [3]. Der Zug 5.d3 heißt Anderssen-Angriff und soll einen festen Aufbau ohne viel analysierte offene Varianten schaffen [3].

Ein heller Springer auf einem Mittelfeld des Schachbretts, die übrigen Figuren unscharf im Hintergrund
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Typisch ist das Springermanöver von b1 über d2 und f1 nach e3 oder g3. Von dort übt der Springer Druck auf die Felder d5 und f5 aus oder stärkt den Bauern e4 [3]. In der Partie besetzte er nach 15.Sd5 das Vorpostenfeld d5, Schwarz musste tauschen und verlor Zeit [3]. Den Zug 14...De7 hält Schlotter für fragwürdig: Mit der Dame auf e7 war der Springer f6 durch den Läufer g5 gefesselt und deckte das Feld d5 nicht mehr [3].

Die Partie ging so weiter: 17...b4 18.cxb4 Lxb4 19.Lxf6 Dxf6 20.De4 Ld6 21.Dxh7+ Kf8 [3]. Mit den Tauschzügen nahm Weiß dem schwarzen Läufer die Deckung, sodass die Dame auf e4 den Läufer und den Bauern h7 zugleich angriff. Schwarz rettete den Läufer und verlor dafür den Bauern h7 und den Schutz vor seinem König [3]. Nach 22.Sh4 Dh6 23.Dxh6 gxh6 24.Sf5 bekam Weiß einen Freibauern auf der h-Linie [3]. Später tauschte Weiß mit 32.Lxe6 fxe6 so, dass Schwarz einen Doppelbauern auf der e-Linie behielt. Schlotter nennt das im Endspiel einen ernsten strategischen Nachteil, zumal Weiß verbundene Freibauern am Königsflügel bekam [3]. Nach 44.h5 Txc4 45.bxc4 Tc6 46.g6 gab Schwarz auf, weil sich die Umwandlung eines weißen Freibauern nicht mehr verhindern ließ [3].

Einordnung und weiterführende Seiten

Folgt man den Empfehlungen Capablancas, kann Weiß nach Schlotter im dritten Zug ebenso gut 3.Lb5 wie 3.Lc4 spielen [3]. In der Partie gegen Burn führte nach Schlotter vor allem 14...De7 zum Vorteil von Weiß: Der Springer auf d5 erzwang einen Tausch, Schwarz verlor ein Tempo, und im Endspiel hatte Weiß verbundene Freibauern am Königsflügel [3]. Die ersten beiden Züge sind mit denen der Italienischen Partie gleich. Die Grundlagen stehen unter Eröffnungsgrundsätze. Die Berliner Verteidigung führt oft früh in ein Endspiel ohne Damen [4]. Wie man mit Vorposten wie d5 arbeitet, steht unter Schwache Felder und Vorposten, die Gabel aus dem Gabeltrick unter Die Gabel.

  1. Ruy Lopez. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Spanische Partie. Wikipedia (deutsch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Studie Intensivkurs Schach. Ein Lern- und Lehrbuch für Anfänger und ihre Lehrer, Teil 3, Kapitel 31, 32 und 35. Dietrich Schlotter, bereitgestellt von der Deutschen Schachjugend. Stand 2. Auflage 2016. abgerufen am 29.10.2026
  4. Berlin Defence. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. Organisation Capablanca vs Marshall Attack, 100 years later. ChessBase. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Organisation 110 years ago: Capablanca wins in San Sebastián. ChessBase. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.